Zweite Chance für Peru

von | 30. September 2018

Wartezeit in den Tropen

Nach «nur» zwei Monaten verliessen wir Brasilien über die peruanische Grenze. «Nur» deshalb, weil wir eigentlich 90 Tage hätten im Land bleiben dürfen. Doch weil uns das so kurz erschien für unsere Brasilientour gaben wir ziemlich Gas – und waren schlussendlich schon nach 65 Tagen wieder draussen. Eigentlich schade, denn es hat uns wirklich sehr gut gefallen.

Doch nun stellen wir uns nochmals Peru. Peru – das Land, welches uns bisher auf der Reise am wenigsten gefiel. Aber man soll allem eine zweite Chance geben. Und tatsächlich, bisher war unser Eindruck viel positiver. Vielleicht liegt das aber auch an der Region. Wir sind hier in Puerto Maldonado immer noch im Amazonasgebiet. Es ist sehr warm und tropisch feucht. Und dies schlägt sich wohl auch aufs Gemüt der Leute hier nieder, welche wir als sehr freundlich und lebensfroh empfinden. Im Gespräch mit ihnen hörten wir unseren Eindruck bestätigt: die Leute aus den Bergen seien Eiszapfen, wohl weil es immer kalt sei. 😉 Und die an der Küste seien hinterhältig. Tja, so hat jedes Volk unter sich auch seine Vorurteile.

 

Eine zweit Odyssee?

Jedenfalls sitzen wir hier nun schon fast zwei Wochen fest, denn wir haben mal wieder ein Autoproblem. In Brasilien diskutierten wir noch, dass wir uns eigentlich glücklich schätzen können, denn wir hatten nicht viel zu reparieren auf der Reise. Ausser der einen Odyssee in Patagonien und dem Anlasser in Kolumbien, waren es nur ein paar normale Verschleisssachen. Tja, man soll den Tag nie vor dem Abend loben, oder eben die Reise vor dem Ende! Denn zwei Tage später liess uns ein komisches Geräusch und Leistungsabfall aufhorchen. Wir haben’s dann grad noch so über die Grenze nach Peru geschafft, weil wir mit dem Diagnosegerät das Notlaufprogramm überlisten konnten. Und hier sitzen wir nun, mit einem kaputten Turbolader! Leider kann man den nur in Lima reparieren. Also fährt unser Turbo nun mit dem Bus nach Lima, während wir hier warten und nur hoffen können, dass er bald und repariert wieder zu uns zurück findet… Denn ohne Turbo können wir keinen Meter mehr fahren. 

Die Angst, dass das Ganze zu einer zweiten Odyssee werden könnte, überfällt uns manchmal. Doch wir verscheuchen tapfer diese Gedanken. Ich muss dazu auch sagen, dass die Situation diesmal völlig anders ist.
Wie schon erwähnt sind wir hier noch in den Tropen, wo es trotz teilweisem Regen immer um die 35 Grad ist. Jedoch auch so feucht, dass man bachnass geschwitzt ist, ohne sich zu bewegen. Wir campieren am Stadtrand bei einer Familie, welche eine Art öffentliches Schwimmbad mit Restaurant und Gästezimmern betreibt, die Villa Hermosa. Wir sind umgeben von Palmen und haben einen Pool direkt vor der Nase um sich abzukühlen. Alle sind total herzlich und hilfsbereit. Manuel, der Besitzer hat uns sofort einen guten Mechaniker besorgt. Und seine Frau Blanca und die Töchter kochen sehr gut und bitten uns immer wieder zu Tisch, um ihre Speisen zu probieren. Hifi hat dann zum Dank einen Schweizer Sonntagszopf gebacken (das Rezept dazu gibt’s mittlerweile auch auf portugiesisch und spanisch 😄). Daraufhin fragten sie ihn, ob er auch Pizzas machen könne. Es gab dann einen schönen Abend mit feiner Pizza für die ganze Familie, zwei andere Reisende und uns.

 

Märchenstunde

Damit es uns nicht langweilig wird, haben wir eine Tour gemacht. Wir fuhren mit dem Boot etwas den Fluss hoch und wanderten dann ein bisschen durch den Dschungel. Einmal mehr wurden uns diverse Heil- und Esspflanzen sowie Überlebenskünste in der Selva (Urwald) erklärt. Wir sahen Taranteln und Riesenameisen und ein paar Capibari im Dunkeln. Zum Schluss fing der Guide mit blossen Händen einen kleinen Kayman und brachte ihn ins Boot, so dass wir ihn anfassen und halten konnten. Das arme Tier hat jetzt sicher Albträume!

Von Manuel bekamen wir dann noch eine Märchenstunde in Mythologie. Er erzählte von Sirenen und Riesenschlangen und dem Fabelwesen «Chullachaqui». Dieser Troll mit einem Huffuss lebt im brasilianischen und peruanischen Urwald. Er gaukelt eine bekannte Person vor und entführt einen dann tief in den Wald, wo man nicht mehr raus findet. Die Leute hier glauben fest daran, dass diese Wesen existieren.

 

Die Zeit läuft ab

Also eigentlich haben wir es hier ganz friedlich und geniessen die ruhigen Tage und die Wärme, welche uns in den Anden schon bald verlassen wird. Doch so langsam kommen wir dadurch auch in Zeitdruck. Denn unsere Reise geht in absehbarer Zeit zu Ende. Ja so langsam beginnen wir, unsere Heimreise zu organisieren. Da wir etwa Anfang/Mitte Dezember zuhause sein wollen, bleiben nur noch gut zwei Monate übrig. Und wir wollen noch sooo viel machen in dieser Zeit! Eigentlich war noch ein weiterer Spanischkurs auf dem Plan. Der wurde jetzt schon gestrichen. Dann wollen wir in Peru noch Arequipa, Nasca und Isca besuchen, welche wir letztes Mal ausliessen. Für die Atacama Wüste im Norden Chiles kriegten wir auch gute neue Tipps. Oder nochmals über die Salar de Uyuni? Und dann wollen wir unbedingt alle unsere Freunde in Paraguay nochmals besuchen. Da wir noch Tage übrig haben in Brasilien, wäre doch ein Strandaufenthalt im Süden ganz nett. Ach ja und die Iguazu Fälle von der argentinischen Seite sehen. Und dann Anfang Dezember unsere Black Lady in Montevideo, Uruguay auf die Heimreise schicken. Abschliessen wollen wir die Reise mit zwei Städtetrips nach Buenos Aires und Rio de Janeiro. Ihr seht, die Ideen gehen uns noch lange nicht aus – nur die Zeit!

Seit ich mein Heimweh analysiert habe, hat es mich nicht mehr eingeholt und ich denke, es wird auch fern bleiben für die restliche Zeit. Dennoch stelle ich mich mental langsam auf Zuhause ein. Denn wir werden ja im Winter ankommen, was nicht die beste Zeit für eine Rückreise ist. Aber es steht ja dann Weihnachten an und ich freue mich schon auf die Kerzen und die Weihnachtsmärkte, hoffentlich mit Schneegestöber. Wir sind nun auch vermehrt am diskutieren, was für neue Projekte auf uns zukommen. Weiterbildungen, neue Jobs, aber auch diverse Umbauten am Landy werden anstehen. So haben wir was, auf das wir uns freuen können, wenn diese wundervolle und lange Reise zu Ende geht. Aber bis dahin geniessen wir jetzt noch in vollen Zügen die Tage hier. Und hoffen, dass wir bald wieder weiterfahren können, um all das noch zu sehen, was es noch zu erleben gibt.

 

Nachtrag

Nach gut zwei Wochen haben wir den Turbo endlich zurück bekommen. Wie üblich in Südamerika ging es natürlich länger als die versprochenen drei Tage (was ja von vornherein unwahrscheinlich war). Aber immerhin hat alles geklappt und er wurde repariert. Beim Einbauen stellte Hifi fest, dass aber leider auch die Vakuumpumpe kaputt ist (von da kam wohl das Geräusch) – schon zum zweiten Mal auf dieser Reise! Zum Glück konnten wir die Alte nochmals einsetzen. Denn sonst wär’s definitiv zu einer zweiten Odyssee ausgewachsen…!

Leider hat es dann zeitlich nicht gereicht, auf meinen Geburtstag in Cusco zu sein. Ich wollte unbedingt in dieses super feine Restaurant (Uchu) vom letzten Mal und freute mich seit Wochen darauf. Aber dafür wurde ich von der Familie hier mit einem Geburtstagsessen am Abend überrascht. Das war ja wirklich total süss! Und das Restaurant schmeckt ja auch noch an einem andern Tag. 

Am Tag nach meinem Geburtstag sind wir dann frohen Mutes Richtung Cusco losgefahren. Nach 150 km wurde jedoch klar, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist. Doch diese Story erzählen wir euch, wenn sie überstanden ist…

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