Das Ende der Geschichte

von | 8. Oktober 2018

Ein Unglück kommt selten allein

Ihr seid sicher gespannt, wie unsere Geschichte mit dem Auto weiterging. Nachdem wir ja zwei Wochen in Puerto Maldonado auf unseren Turbo gewartet hatten (siehe «Zweite Chance für Peru»), dachten wir, dass nun alles wieder im Lot sein. Doch ca. 150 km später irritierte uns ein Geräusch und wir warfen einen Blick unter die Kühlerhaube. Mit Schrecken stellten wir fest, dass die wiedereingesetzte Vakuumpumpe eben doch kaputt war und den ganzen Motorraum mit Öl vollgespritzt hatte. Wir versuchten dann noch etwas weiter zu fahren bis zu einem geeigneten Standplatz, indem wir einfach Motorenöl nachfüllten. Doch weit kamen wir nicht, denn wir verloren literweise Öl. Zudem zeigte uns das Steuergerät an, dass mindestens ein Injektor nicht mehr gut sei. Auf einer schäbigen Tankstelle versuchten wir dann, die Vakuumpumpe abzudichten, doch das brachte nicht viel Erfolg.

 

Buschmechaniker Tricks

Ein Anruf bei Anna, unserer Landy-Mechanikerin brachte dann eine vorübergehende Lösung. Sie verriet uns einen Buschtrick, indem man ein Stück von der Pumpe wegsägt und so den Keilriemen nicht mehr über die Pumpe laufen lässt. Da wir nicht viel zu verlieren hatten, holte Hifi die Säge hervor und wir probierten das aus.
Am nächsten Tag fuhren wir dann voller Hoffnung weiter. Leider stellte sich heraus, dass die Pumpe trotz Silikonabdichtung immer noch nicht dicht war und wir immer noch sehr viel Öl verloren. Wir kauften unterwegs also nochmals ein paar Liter Öl, in der Hoffnung, damit bis Cusco zu kommen. Denn wir wollten unbedingt bis dorthin gelangen, da wir dort einfach mehr Reparaturmöglichkeiten hatten. Doch es wurde immer klarer, dass das Öl nicht reichen würde. Also legten wir eine weitere Übernachtung irgendwo in den Bergen ein und Hifi nahm die Pumpe nochmals auseinander und pappte alles, was irgendwie ging, mit Silikon zu.
In dieser Nacht schlief ich extrem schlecht und ich hatte selten so ein mulmiges Gefühl vor einem Fahrtag wie bei der vor uns liegenden Strecke. Denn es reichte ja nicht, dass die Vakuumpumpe undicht und kaputt war, nein, die Injektoren zeigten immer mehr Fehler an und wir waren nicht sicher, ob wir den Motor ganz kaputt machen würden, wenn wir weiter damit führen. Zudem war immer beim Gas geben ein komisches Sirren zu hören, von dem wir nicht wussten, ob auch der Turbo schon wieder hin sei.

 

Mit Wadenkrampf durch die Berge

Die vor uns liegende Strecke war auch nicht gerade die einfachste. Denn bis Cusco mussten wir quer über die Berge und dabei zwei sehr hohe Pässe überqueren, einer davon um die 4’700 m.ü.M! Und wir starteten ja praktisch auf Meereshöhe…
Die Pumpe war zwar endlich einigermassen dicht, doch wegen den kaputten Injektoren hatten wir einen starken Leistungsabfall und wir beteten, dass wir nicht mitten auf der Strecke auf den Pass hoch einfach stehen bleiben würden.
Wie glücklich waren wir, als wir es bis oben geschafft hatten! Nun kam jedoch der Abstieg. Und weil wir die Vakuumpumpe überbrückt hatten, fehlte damit auch die Bremsunterstützung – ausgerechnet auf dieser Bergstrecke! Hifi kriegte fast einen Krampf im Bein, vom vielen Pedalen.
Nach einem langen und nervlich sehr anstrengenden Fahrtag kamen wir gegen Abend dann endlich in Cusco an. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, fing auf den letzten Kilometern durch die Stadt noch etwas zu scheppern an. (Offenbar war die Halterung des Getriebes gerissen, das fanden wir dann aber erst am nächsten Tag raus.) Klappernd und aus dem letzten Loch pfeifend, schleppte sich unsere Lady die letzten Höhenmeter bis zum Campingplatz hoch.

 

Glück im Unglück

So, nun waren wir zwar in Cusco angekommen, doch stellte sich dich Frage, wie wir zu einer neuen Vakuumpumpe sowie Injektoren kommen sollten. Im Vorfeld hatten wir zum Glück bereits Kontakt mit Tobias aufgenommen, einem andern Landyfahrer, der einen Tag vor uns in Cusco ankam. Obwohl wir uns persönlich noch gar nie begegnet waren, war er total hilfsbereit und versuchte bereits abzuklären, wo wir so eine Pumpe herkriegen könnten. Leider waren die Aussichten sehr düster, denn niemand hatte eine. Von den Injektoren ganz zu schweigen.
Doch da tat sich plötzlich ein Lichtblick auf. Denn er hörte von einer Deutschen, welche in ein paar Tagen zurück nach Cusco fliegen würde, selbst mit Ersatzteilen im Gepäck. Sofort haben wir diese Sandra kontaktiert und angefragt, ob sie bereit wäre, für uns was mitzubringen. Nun kam nur noch die Herausforderung, die Ersatzteile innert kürzester Frist zu organisieren. Da wir leider erst am Wochenende von dieser Option erfuhren, mussten wir bis Montag warten, um eine Bestellung auszulösen. Nun war es so, dass Sandra am Mittwoch früh von Stuttgart flog, und die Ersatzteile bis am Dienstag Abend ins Hotel geliefert werden mussten. Leider fanden wir die benötigen Ersatzteile nur bei einem Lieferanten in England und somit bibberten wir ganz schön, ob das wirklich von Montag auf Dienstag reichen würde. Doch alles lief rund und die Teile wurden tatsächlich fristgerecht im Hotel abgegeben. Phu, was für eine Erleichterung!

 

Ende gut, alles gut?

Jetzt hätte es eigentlich nur noch ein Warten sein sollen, bis Sandra am Donnerstag ankam. Doch wie es eben so geht, läuft selten alles auf Anhieb rund. Denn zuerst mussten ja die alten Injektoren rausgeholt werden. Die ersten drei waren auch kein Problem, doch der letzte weigerte sich einfach standhaft. Mit vereinten Kräften (mittlerweile war Sandras Mann Andreas auch angekommen), versuchten die drei Männer, den Injektor raus zu bekommen. Einen ganzen Tag lang versuchten sie es mit immer massiveren Methoden, doch der Injektor blieb drin. Dann bekamen wir den Tipp, dass man mit Rumfahren manchmal so etwas lockern könne. Also hat Hifi wieder alles eingebaut und wollte den Motor starten. Doch der weigerte sich einfach strikt. Nun ging das Tüfteln von neuem los. Ein weiterer Tag ging drauf, um herauszufinden, warum der Landy nun nicht mehr startet. Am Ende waren wir alle total deprimiert und mutlos, denn niemand wusste mehr weiter, auch die zu Rate gezogenen Mechaniker zuhause nicht.

 

Das Ende der Reise?

War die Reise nun hiermit zu Ende? Es sah fast so aus. Nach einer Frust-Pizza in der Stadt legten wir uns sehr traurig und frustriert ins Bett. Ich versuchte mich innerlich bereits darauf einzustellen, dass unsere Reise nun abrupt hier enden würde. Denn wenn dieser Injektor nicht raus ging, und das Auto nicht mehr ansprang, brachten all die neuen Ersatzteile nichts mehr. Denn dann bräuchten wir wahrscheinlich einen neuen Zylinderkopf. Doch bis der aus Europa käme, wäre unsere Reisezeit abgelaufen. Zudem wechselt man so etwas nicht einfach so auf einem Campingplatz aus und wo anders hin können wir ja nicht mehr fahren. Es würde wohl oder übel auf einen Abschleppwagen nach Lima hinauslaufen, von dort in einen Container und ab nach Hause.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Doch so schnell gaben sich die Männer nicht geschlagen und organisierten in der Stadt einen Zughammer. Damit wollten sie nochmals dem Injektor an den Kragen. Und siehe da; nach fünf Schlägen kam der sperrige Kerl raus, als wäre nichts gewesen. Es herrschte grosser Jubel und die Hoffnung stieg schlagartig wieder an, dass wir hier doch noch auf den eigenen vier Rädern rausfahren würden. Hätten wir es doch gleich von Anfang an mit diesem Hammer versucht! Aber eben, im Nachhinein ist man immer schlauer.
Am Donnerstag Abend kam dann Sandra auf dem Campingplatz an und brachte die ersehnten Ersatzteile mit. Sie kam glücklicherweise ohne Probleme durch den Zoll. Hifi buk zur Freude des Tages noch einen Schokoladenkuchen. Auch wenn es schon dunkel war, wollten die Männer nicht mehr warten und machten sich sogleich ans Einbauen. Nach einer Weile vernahm ich dann einen Jubelschrei und Motorenrattern. Der Motor war endlich wieder angesprungen, wohl dank den neuen Injektoren. Juhuuuu! In dieser Nacht gingen wir sehr glücklich zu Bett.

 

Fertig, Ende, aus!

Doch leider hatten wir uns zu früh gefreut. Am nächsten Morgen wurde klar, dass ein Injektor nicht dicht war. Zudem meldete das Steuergerät bereits wieder Fehler auf einem der Injektoren. Hifi versuchte es nochmals mit neuen Dichtungen, mit sauberem Putzen und allem möglichen. Doch nach mehreren Stunden zeichnete sich die traurige Wahrheit immer deutlicher ab: irgendetwas am Motor war kaputt und wir würden ihn hier nicht mehr zum Laufen bringen. 

 

Endstation Cusco

Somit endet unsere Reise hier in Cusco abrupt. Nun bleibt uns nur noch, den Landy von hier nach Hause zu verschiffen.
Die letzten Tage waren eine ziemliche Berg- und Talfahrt der Gefühle. Immer mal wieder kam Hoffnung auf, dass wir noch weiterziehen können. Doch leider ist hier Endstation. Zumindest für unsere Lady. Zum Glück hatten wir wirklich gute Unterstützung durch Tobias, Andreas und Sandra. Sie halfen mit beim Brainstorming, beim Mechen und waren uns nicht zuletzt auch eine mentale Stütze. Wir danken euch von ganzem Herzen, dass ihr uns so geholfen und uns nicht im Stich gelassen habt! Das ist nicht selbstverständlich und zeigt mal wieder, wie schnell man unter Overlandern zu neuen Freunden kommen kann. VIELEN HERZLICHEN DANK! Auch wenn wir uns alle gerne mit einem glücklicheren Ausgang getrennt hätten.

 

Warum reparieren wir den Landy nicht hier?

Sowohl die angefragten Mechaniker in der Schweiz, wie auch Tobi und Hifi gehen davon aus, dass ein Kolben durchgebrannt ist. Die einen sagen jetzt wohl, dass könne bei einem Auto mit rund 200’000 km nicht sein. Tja, ist wohl doch so – ob das jetzt ein Folgeschaden aus den letzten 700 km ist, vom schlechten Diesel hier in Südamerika herrührt oder einfach daher kommt, dass moderne Motoren mit Euro 4 bis 6 so extrem downsized und hochgezüchtet werden, lässt sich wohl nie sagen.
Die Reparatur in einer gedeckten Halle stellt wohl nicht so eine gigantische Herausforderung dar und auch das Werkzeug wäre kein Problem. Aber: Wir sitzen hier auf einem Campingplatz auf über 3’500 m.ü.M., es ist öfters saukalt und regnet. Die Ersatzteile für den im TD4 verbauten Ford-Motor gibt es nur in Europa und Nordamerika und eine Lieferung dauert rund vier Wochen. Danach bliebe uns gerade nochmals ein Monat für die Reparatur und den Weg von hier nach Uruguay – falls der Zoll in Peru mitspielen würde und nicht noch ein einziges Teil nachbestellt werden müsste…
Wenn wir noch etwas länger Zeit hätten und es nur etwas wärmer wäre, würden wir die Reparatur in Angriff nehmen. Aber aufgrund der Gegebenheiten haben wir beschlossen, den Landy backpack nach hause zu transportieren und als Mochileros weiterzuziehen. 

 

Etwas gegen das Reisefieber

Kürzlich hat eine Freundin uns geschrieben, dass sie nur ungern unsere Website besuche, denn es löse bei ihr immer Fernweh und Reisefieber aus. Wir versprachen ihr dann, in Zukunft etwas weniger tolle Berichte zu liefern. Eigentlich meinten wir dies ja eher im Scherz (so wie sie ja sicher auch). Doch offensichtlich nahm es unsere Black Lady etwas zu wörtlich und beschloss, uns einen Grund für schlechte Nachrichten zu liefern. Oder vielleicht hat sie ja auch einfach zu viel Liebeskummer nach Lenny (siehe «Liebesbrief aus dem Pantanal») und wollte ohne ihn einfach nicht mehr weiterreisen.
Naja, wie auch immer: Wir werden euch natürlich bis zum bitteren Ende auf dem Laufenden halten. Aber alle mit Reisefieber dürfen sich vorerst freuen, denn unsere momentanen Abenteuer sind wohl eher solche, welche man nicht unbedingt nacherleben will.

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