Kulturelle Hinterlassenschaften
Von allem ein bisschen das Gegenteil
Peru hat uns in einigem überrascht. Vieles, was wir im Vorfeld hörten, empfinden wir als ganz anders: Peru sei wunderschön. – Bis jetzt gefällt uns das Land noch nicht sooo gut. Der Verkehr in Peru sei die Hölle. – Ausser mitten in den grossen Städten, hat es gar nicht so viel Verkehr, und dieser ist recht moderat, die Kolumbianer finden wir immer noch schlimmer*. Die Küste sei nichts schönes und man solle sie am besten meiden. – Gut, da können wir aus vollem Herzen zustimmen. Die Peruaner seien introvertiert und weniger freundlich. – Finden wir gar nicht; vor allem in den Bergen sind sie äusserst freundlich und höflich und winken uns immer ganz freudig zu. Die Polizei sei sehr korrupt. – Bisher hatten wir nur gute Erfahrungen und wurden immer freundlich begrüsst oder direkt durchgewinkt.
*Wahrscheinlich haben wir uns einfach schon an den südamerikanischen Stil gewöhnt. Also in den grossen Städten ist es schon etwas mühsam. Vor allem weil hier überall hunderte von Mototaxis (Tucktucks) rumschwirren wie eine Horde Wespen, und die sind wirklich anstrengend. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass es etwas anderes ist, wenn man nicht mit dem eigenen Auto herumfährt. Denn die Bus- und Taxifahrer fahren schon eher kriminell. Und die Strassen sind hier teilweise sehr schmal und in schlechtem Zustand. Im eigenen, gut ausgerüsteten Auto fällt einem das halt etwas weniger auf, bzw. habe ich da mehr Vertrauen in meinen Fahrer.
Aber vielleicht muss ich erklären, warum wir uns noch nicht so sehr in Peru verliebt haben. Die Berge sind tatsächlich schön und vor allem wenn man gerne über kleine Bergstrassen und Pisten fährt und dabei die schöne Aussicht geniesst, dann kann man sie schon lieben. Doch uns hat die Bergwelt von Ecuador noch ein bisschen mehr gefallen, da wir sie als beeindruckender und intensiver empfunden haben.
Was wirklich beeindrucken ist, sind die historischen Ruinen. Zum Beispiel «Kuelap» hoch auf einem Berg thronend, ist unglaublich toll. Einige sagen, es könnte ein zweites «Machu Picchu» werden. Denkbar ist es durchaus. Fotos dazu seht ihr in der Bilderstory «In den Ruinen sitzen und den Wolken zuschauen».
Doch als wir dann die Küste ansteuerten, war es vorbei mit dem Charme. Die Küste ist ein flacher, sandiger, langweiliger Landstreifen. Alles ist mit beigebraunem Lehmstaub überzogen; die Bäume, die Häuser, die Autos, die Luft… Einfach nur trostlos. Und flach, soweit das Auge reicht, mit ganz wenigen Sanddünen und kleinen Steinhügeln durchzogen.
Was uns aber so wirklich zu schaffen macht, ist der Müll! ÜBERALL LIEGT MÜLL HERUM!!! Die Peruaner scheint das nicht zu stören. Es wirkt hier tatsächlich wie auf einer einzigen grossen Müllhalde. Ob am Strassenrand, um die archäologischen Stätte herum oder im Innenhof; wo Menschen leben, liegt Müll! Zwar haben sie eine Müllsammlung, doch der Lastwagen der den Abfall transportiert verliert die Hälfte bereits auf der Fahrt wieder und der Rest wird einfach ausserhalb der Stadt an den Strassenrand gekippt. Wir haben mal Arbeiter am Strassenrand beobachtet, welche tatsächlich am Zusammenfegen von Abfall waren… nur haben sie dann die vollen Schubkarren einfach fünf Meter weiter ins Gebüsch gekippt. Es war bestimmt für eine halbe Stunde sauber – bis der nächste Wind blies…!
Auch sonst bietet Peru viele Kuriositäten. Da hat es zum Beispiel in jeder Ortschaft mindestens ein Lichtsignal – egal ob es Sinn macht oder nicht. Meistens steht es einfach irgendwo mitten im Ort an der Hauptstrasse, wo es aber links und rechts gar keine Strasse hat, also keine Kreuzung vorhanden ist. Aber wahrscheinlich muss einfach jedes Dorf sein Lichtsignal haben, damit auch sie sich Fortschrittlich nennen können (In Europa hat es ja schliesslich auch überall Lichtsignale…).
An der Küste wird zudem die Strasse überall auf vierspurige Autobahnen ausgebaut – Unmengen an Geld, die da verlocht werden. Doch die guten Strassen enden immer vor und nach der Ortschaft. Mitten durch den Ort sind die Strassen dann hundsmiserabel, oftmals nicht mal geteert und so voller Schlaglöcher, dass es kriminell ist. Aus unserer Sicht völlig unsinnig, denn so trägt man ja überall den Dreck ins Haus und der Verkehr fliesst auch nicht wirklich.
Und dann erleben wir auch kleine kulinarische Kuriositäten wie der Kaffe, den wir als Essenz in einer Kristallkaraffe serviert bekamen und dazu eine Tasse voll heissem Wasser, um diese Kaffee-Essenz dann dazu zu giessen. Die Karaffe durfte man auch nicht zu genau betrachten, denn sie wurde wohl nie ausgespült. Das Glacé dazu war dann auch sehr originell: Hifi wollte zwei Kugeln in einem Cornet. Serviert wurden sie ihm dann in einem Glas und das Cornet steckte wie ein Hütchen oben drauf. Herrlich!!!
Dafür bietet die Küste auch wieder viel historisches. Wir haben mehrere Lehmtempel besucht, welche wirklich beeindruckend waren. Bis dahin war uns nicht bewusst, dass es vor den Inkas noch ganz viele andere Kulturen gab, welche viel länger geherrscht hatten. Da waren die Inkas mit um die 100 Jahre Herrschaft nur noch ein sehr kurzer geschichtlicher Abschnitt. Wirklich beeindruckend fand ich die Handwerkskunst aus dieser Zeit. Es wurden hier sehr viele intakte Gräber, voll mit wertvollen Gaben, gefunden. Dadurch wird offensichtlich, wie grossartig die Künstler und Handwerker damals waren. Der Besuch dieser Tempel hat sich schon gelohnt. Bilder dazu seht ihr im Beitrag «Auf dem Tempel stehen und in die Ferne schauen»
Eigentlich wollten wir Peru ein bisschen im Schnelldurchlauf machen. Doch es gibt so vieles zu sehen und wir haben schon viel mehr Zeit hier verbracht als mal gedacht. Und das war erst der Norden. Bereits nach ein paar Tagen mussten wir die Künste jedoch wieder verlassen und in die Berge ziehen. Ich wurde in dieser Umgebung, wo alles so eintönig und schmutzig ist, richtig depressiv.
Hier haben wir uns auch von Karlheinz und Lizzy verabschiedet, welche weiter an der Küste bleiben wollen. Wir waren am Schluss gute zwei Wochen zusammen unterwegs. Es war eine sehr gute Zeit und wir vermissen die beiden schon fast ein bisschen. Aber nun gehts wieder ab in die Berge und weiter Richtung Cusco und Machu Picchu. Mal schauen, was uns Peru noch so zu bieten hat…
Hallo ihr zwei! Cusco und Machu-Pichu sollten sich schon lohnen. Ich hoffe, dass ihr noch ein „Happy End“ im Peru habt. 😉
Debemos reconocer que el helado invertido (dado vuelta) es verdaderamente original! jajaja! 😀
¡Helado invertido! Das in der Schweiz noch niemand auf diese Marktlücke gestossen ist? Und wie schon Lisa (über einen anderen Kanal) bemerkt hat: „Eigentlich haben sie den Auftrag ja korrekt ausgeführt.“