Auf den Hund gekommen und den Gockel erdrosselt
Nächtliches Orchester
In Südamerika muss man sich an Hunde gewöhnen, denn sie gehören einfach zum täglichen Leben dazu – und zum nächtlichen leider auch. Hier laufen alle Hunde frei herum. Man begegnet ihnen überall. Hifi und ich sind bekennende «nicht-wahnsinns-Hunde-Liebhaber». Doch ich muss gestehen, dass auch wir uns bereits sehr an die allgegenwärtigen Hunde gewöhnt haben und sie teilweise tatsächlich auch mögen.
Sehr ins Herz geschlossen haben wir Lizzy, die Hündin von Karlheinz, welcher nun schon seit Vilcabamba in Ecuador mit uns zusammen reist. Er hat sie in Kolumbien an einem Strand «aufgelesen» und seither begleitet sie ihn. Daher witzeln wir nun immer, dass wir ja auch irgendwo einen mitnehmen könnten. Auf einem Camping hatte es zwei kleine Hunde, welche wir auch am liebsten fast mitgenommen hätten. Die waren sooo süss und schmusig (siehe Foto von Hifi). Aber keine Angst; wir werden uns nicht so schnell einen vierbeinigen Begleiter anlachen. Gibt zu viel Arbeit. Und dann eben das Gebell…
Ich erzähl euch jetzt mal was über den nächtlichen Lärmpegel in Südamerika. Hundegebell kennen wir zwar bei uns in der Schweiz auch, doch normalerweise sind unsere Hunde genauso gesittet wie ihre Besitzer und halten sich schön an die Nachtruhe ab 22 Uhr. Oder zumindest bleiben sie in den Häusern und dadurch dämmt sich das Gebell auch schon.
Doch hier ist es so, dass sich die Hunde in der Nacht einen Sport daraus machen, wer am längsten und lautesten Bellen kann. Wenn einer anfängt, dann steigen alle andern mit ein. Und zwar quer durchs ganze Tal (es hallt dann auch noch so schön). Am schlimmsten ist es in den Städten, denn dort ist die Anzahl Hunde besonders gross und entsprechend steigt der Lärmpegel. Und es machen wirklich ALLE mit. Stuuuuundeeeenlaaaang! Na gut, so langsam haben wir uns auch daran gewöhnt und versuchen es zu ignorieren.
Aber was mir nun absolut den Rest gibt, das sind die verd… Gockel! Ihr glaubt es nicht, aber ich sage euch; die sind noch schlimmer als die Hunde!!! Sollten Gockel nicht einfach im Morgengrauen den Tag ankündigen? Und zwar EINMAL! Neinnein, in Südamerika nicht. Da krähen die Gockel die ganze Nacht durch. Und zwar genauso schlimm wie die Hunde. Wenn also einer irgendwo im Tal anfängt, dann denkt sich der andere «oh da muss ich auch mitmachen» und dann kommt der nächste und findet «das kann ich besser!» Und natürlich muss so jeder seinen Senf, bzw. eben sein Krähen kundtun. Und es hat hier viiiiiieeeeele Gockel und jeder schreit in einer anderen Tonlage.
Einmal haben wir gleich neben einem Hühnerverschlag übernachtet, der auf der Seite mit Wellblech bedeckt war. Dieser Gockel nun musste sich offenbar vor jedem Krähen noch aufplustern um wohl so richtig viel Luft zu holen. Er fängt also an wild mit den Flügen um sich zu schlagen – was in dem Wellblechverschlag ein dröhnendes Geräusch verursacht – um dann aus vollem Halse seinen Beitrag zu leisten. Und das mitten in der Nacht. Mehrmals. Ohne Vorwarnung; bzw. kaum hörte ich das Gedröhne des Wellblechs, wusste ich, dass es jetzt gleich wieder losgehen würde. Nebenbei sei bemerkt, dass wir ja in unserem Landy praktisch wie in einem Zelt schlafen, also nur einen dünnen Zeltstoff zwischen uns und diesem elenden Vieh hatten. Ich sage euch, diesen Gockel hätte ich um ein Haar erdrosselt und mit Vergnügen auf dem Teller genossen!
Wenn es etwas gibt, worauf ich mich jetzt schon wieder freue, wenn wir zurück kehren, dann ist das eine Gebell und Kräh freie Nacht. Ach wie herrlich muss das sein! Seufz!