Fahrvergnügen und Todesstrassen

von | 22. Mai 2018

Ab in die Wärme

Nachdem wir die lange Wartezeit im feuchtkalten chilenischen Patagonien endlich beenden konnten, hatten wir nur noch einen Wunsch; so schnell wie möglich gen Norden in wärmeres Wetter.
Da wir wegen einem neuen Dämpfer bereits bis Santiago gefahren waren, entschieden wir uns, den Anden entlang gen Norden zu fahren und die Küste Argentiniens auszulassen. 

 

Best Offroad ever

Unser Ziel war der Nordwesten von Argentinien, die Region um Antofagsta. Gleich zu Beginn unserer Reise, noch an der Karibikküste von Kolumbien, bekamen wir von einer französischen Familie in einem Landrover einen heissen Tip. Sie schwärmten dermassen von dieser Offroad-Route, dass wir das unbedingt auch machen wollten. Leider ergab es sich auf dem Weg nach Süden nicht und wir trauerten dem immer nach. Zudem sah es lange danach aus, dass der Schlenker hierhin ein zu grosser Umweg sein würde. Doch da wir nun in den Anden hochfuhren, lag es auf dem Weg.
Und es hat sich so was von gelohnt! Hätten wir das ausgelassen und von andern Leuten Fotos gesehen – wir wären uns ewig reuig. Denn es war das beste Offroaderlebnis das wir in ganz Südamerika hatten!
Unmengen von Flussdurchfahrten, Wüsten auf Hochplateaus, Salzebenen mit Lagunen und eine Bergwelt, wo man aus dem staunen nicht mehr heraus kommt. Und man ist praktisch alleine und kann die Natur voll geniessen, was wir während mehreren Tagen auskosteten. Genau deswegen gehen wir auf Reisen! Auch als diese Strecke eigentlich schon abgeschlossen war, begeisterte uns die Landschaft weiterhin. Wer also jemals die Möglichkeit hat, hierher zu kommen, sollte dies auf keinen Fall auslassen! Die Bilder dazu könnt ihr hier sehen: «Nordwest Argentinien»

 

Profitable Gegend

In dieser Gegend wohnen fast nur indigene Leute, wodurch man sich wieder viel mehr im «echten» Südamerika fühlt. Es könnte auch Bolivien sein. Und tatsächlich ist die Grenze nicht weit.
Ansonsten findet man hier vor allem Mineure. Denn in diesem Landstrich wird alles mögliche gefördert und aus der Erde geholt. Darunter Erdöl, Erdgas, Lithum, Kupfer, Stahl und natürlich auch Salz. Überall sieht man Bohrstationen und Grabungen und viele Strassen führen zu Minen. Leider stiessen wir auch auf Sondermüll-Deponien. Das alles gibt einen etwas schalen Beigeschmack, doch gehört es halt leider zu unserer Konsumgesellschaft dazu.

 

Das letzte Stück RN40

Da es uns so gut gefiel, machten wir nochmals einen kleinen Zusatzschlenker und fuhren über die Ruta Quarenta bis zur bolivianischen Grenze. Dieses Stück der Quarenta wird oft vergessen und ist – zumindest von Touristen – sehr wenig befahren. Total zu Unrecht, denn die Landschaft ist auch hier unglaublich schön. Die Fotos dazu haben wir in der Reportage «Ruta Quarenta» ergänzt.

 

Todesstrasse II

Doch schlussendlich liessen wir Argentinien hinter uns und reisten das zweite Mal nach Bolivien ein. Unser Plan war, nur kurz rein und gleich weiter an die Grenze nach Paraguay zu fahren. Von diesem Kurzbesuch hatten wir nicht allzu viel erwartet. Doch kaum im Lande, ging das Abenteuer los. Unser Routen-App stimmte überhaupt nicht mit den effektiven Strassen überrein. Jedenfalls fanden wir die Schnellstrasse nach Tarija nicht und die Einheimischen wiesen uns den Weg in eine andere Richtung, quer durch die Berge. Welcome back to Bolivia and the real southamerican streets! Denn diese Nebenstrasse entpuppte sich als echte Todesstrasse. Über ca. 150 km schlängelt sich die staubige Piste vom Berghang ins Tal und den nächsten Berg wieder hoch. Oftmals nicht breiter als ein Fahrzeug, während es rechts und links steil hoch und runter geht. Das gefährlichste jedoch ist der Verkehr. Da schnaufen alte Lastwagen und volle Überlandbusse die Steilhänge hoch und runter und werden von PW‘s in kriminellen Manövern überholt. Hinter jeder Kurve kann dir etwas entgegenkommen und dann schlittert man mit viel Glück aneinander vorbei. Echt kriminell! Und die Lastwagen und Busse fahren die ganze Nacht durch. Das ist reiner Selbstmord! Bei uns war es zudem staubtrocken, nicht auszudenken, wie das bei Regen und Schlamm wird…!
Ich stellte mir vor, als Reisende in einem solchen Bus zu sitzen: Keine Ahnung wann die Bremsen zuletzt gewartet wurden. Die Reifen haben schon lange kein Profil mehr. Der Fahrer ist seit Stunden unterwegs, mit mindestens einem Bier intus und den Mund voll Cocablätter… Ach du sch…! Das überlebt man ja nur mit stahlharten Nerven, oder man schliesst die ganze Fahrt die Augen und betet. Willkommen in Bolivien und gute Reise!
Einmal mehr war ich froh um unser Fahrzeug und meinen privaten Chauffeur. Und so haben wir es schlussendlich auch pannenfrei hindurch geschafft. 

Jetzt sind wir gespannt, was uns Paraguay zu bieten hat. Auf in ein neues Land und neue Abenteuer!

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