Tanze fürs Leben! Lebe fürs Tanzen!

von | 21. November 2018

Heisse Rhythmen voller Gefühle

Vor ein paar Wochen meinte ich zu Hifi noch, dass ich zuhause in Europa mal wieder Lust auf ein paar Städtetripps hätte. Jetzt, wo wir ohne Auto unterwegs sind, haben wir eine ganze Städte Armada besucht: Cusco, Lima, Arequipa (Peru), Buenos Aires (Argentinien), Rio de Janeiro (Brasilien) und Havanna (Kuba). Mein Bedürfnis nach Städten ist für den Moment eindeutig gedeckt!
Natürlich hat jede Stadt seine Sehenswürdigkeiten und seine Reize. Ich will euch jedoch nicht mit dem Beschrieb ebendieser langweilen, da manche von euch sie sicher auch selbst kennen. 
Doch wirklich unter die Haut ging mir der Tanz. Ich wusste, dass in Argentinien der Tango berühmt ist, dass man in Brasilien den Samba zelebriert und dass die Kubaner leidenschaftlich Salsa tanzen. Doch dass mich vor allem der Tango und der Samba so berühren und in Bann ziehen würden, das hätte ich nicht erwartet.

 

Tango – sinnliche Verführung

Ich tanze für mein Leben gerne. Doch mit Tango konnte ich bisher nicht allzu viel anfangen. Zu steif war er mir. Zugegeben, ich hatte auch noch nie viel Berührung damit. 
Und dann war es Liebe auf den ersten Blick! Der Tango hat mich verzaubert und verführt. Im alten Café de los Angelitos in Buenos Aires sass ich total gefesselt auf der Balustrade und sog jede Einzelheit ein. Dass Tango sinnlich, elegant und dennoch so kraftvoll und stolz sein kann, hätte ich nie erwartet. Ich war hin und weg. Im einen Moment fühlte ich mich total umgarnt, im nächsten lachte ich vor Freude und manchmal hat es mich ganz still und leise so tief berührt, dass mir klammheimlich ein paar Tränen runter kullerten. Ja, so intensiv war mein erstes Tango Erlebnis. An diesem Abend ging ich mit einem lächeln zu Bett. Ob ich so etwas wohl auch noch lernen könnte? Mal schauen, ob sich Hifi zu einem Tangokurs verknurren – oder verführen? – lässt.

 

Samba – getanzte Lebensfreude

«Wow, was für Prachtsweiber!» denke ich mir, als eine um die andere Tänzerin hüftschwingend über die Bühne wipt. Wir sind in Rio de Janeiro, DER Samba Stadt schlechthin. Jeden Samstag gibt es hier in einem «kleinen» Sambadrom sogenannte Vorausscheidungen und Wettbewerbe für den grossen Carnaval im März. Wie wir uns aus Brasilien schon gewohnt sind, ist es vor allem laut. Doch als dann die «Bataria», also die Trommler zu spielen beginnen, da schlägt mein eigenes Trommlerherz Purzelbäume. Es herrscht ausgelassene, freudige Stimmung im Publikum und auch auf der Bühne. Alle singen die offensichtlich bekannten Lieder mit und wackeln mit den Hüften. Doch mit den Sambatänzerinnen kann natürlich niemand mithalten. In wunderschön kitschige Glitzerkostüme gekleidet, welche ihre üppigen Kurven betonen, ihre wunderbaren Affromähnen schwingend, zeigen sie dem Publikum was Samba bedeutet. Diese wahnsinns knackigen Hintern wackeln in einem Tempo dem man kaum folgen kann. Da kann man als Frau tatsächlich etwas neidisch werden. Doch was soll‘s – hier geht es um Spass. Denn man merkt schon, dass Samba hier eine Lebensform ist. Es ist dieser Ausdruck von Lebensfreude, welchen wir schon im ganzen Land gespürt haben. Hier wird es einfach auf die Spitze getrieben. Doch dabei geht die Freude daran nicht verloren. Wenn sogar die Aufpasser ausgelassen singen und tanzten, währenddem sie das Publikum freundlich dazu auffordern, Platz für die Tänzer und die kleine Parade aus schön gewandeten älteren Frauen zu schaffen. 
Diese wunderbaren schwarzen, alten, runzligen Frauengesichter mit einem riesigen Lachen im Gesicht. Einfach wunderschön! Und die alten Männer, welche losgelöst und voller Wonne am singen und tanzen sind. Das ist so ansteckend, dass man nur zurück lachen kann und sie am liebsten alle umarmen möchte.
Wenn du so aufwächst und lebst, dann steckt dir die Musik und der Rhythmus wirklich im Blut. Nicht zum ersten Mal denk ich mir, dass so jemandem ein Ort wie die Schweiz ja extrem stier vorkommen muss. Nun versteh ich dieses Klischee tatsächlich langsam.

 

Und wo bleibt der Salsa?

Vor Jahren war ich voll Salsa-Fan und besuchte mehrere Tanzkurse. Mittlerweile ist es mir etwas verleidet. Gespannt war ich daher auf Havanna, ob es mich wieder erneut packen und die Freude daran wecken würde. Denn es heisst ja immer, dass dort an jeder Strassenecke gespielt wird. 
Nun ja, gespielt wird tatsächlich vielerorts Musik. Doch guten Salsa haben wir eher selten gehört. Es kommt mir eher vor, dass immer etwa das gleiche gespielt wird, einfach um die Touristen zu unterhalten. Für mich ging das soweit, dass es mich eher nervte. Wenn du nicht mal mehr ruhig an einem Tisch sitzen und dich unterhalten kannst, ohne dass irgendwelche Fidler daherkommen und dir mehr schlecht als recht ein Ständchen spielen…!
Doch zwei Musik Erlebnisse hatten wir, welche mir sehr gefielen. In einer Seitengasse sassen wir alleine in einem Restaurant. Das Essen war nur mittelmässig. Doch es hatte eine kleine Musiktruppe, welche ab und zu spielte. Ein Trommler, ein Guitarrist und eine Sängerin. Was hatte die für eine wunderschöne tiefe und sanfte Stimme! Das ging mir direkt ins Herz und unter die Haut. Da kamen plötzlich noch zwei Musiker die Gasse entlang und die Geigenspielerin gesellte sich spontan dazu. Das war dann Gänsehaut pur! So schön! Und man hatte das Gefühl, dass die wirklich aus Freude an der Musik spielten. Leider war die Restaurantbesitzerin nicht ganz so begeistert und warf sie raus. Dann tauchte plötzlich noch die Polizei auf und wir verstanden überhaupt nichts mehr. Aber immerhin, unser fettes und zu recht verdientes Trinkgeld hatten sie da schon in der Tasche. 
Das zweite Erlebnis war im casa de la musica. Dorthin geht man um Konzerte zu hören und zu tanzen. Wir waren zu fünft dort, zusammen mit einigen aus der Sprachschule. Das heutige Konzert war ausnahmsweise mal nicht Salsa(!) 😆 sondern eine Lokalberühmtheit, welcher eher Folk und Blues spielte. Die Musik war gut und er wusste das Publikum zu unterhalten. Beeindruckt hatten mich jedoch die Texte, zumindest was ich davon verstanden habe. Es war teilweise sehr politisch und wirklich auf Kuba bezogen. Nicht nur dieses ständige Herzschmerz Gesäusle was sonst immer gespielt wird. 
Der Höhepunkt für uns war aber, dass Hifi zwei Lose gekauft und prompt den Preis gewonnen hatte. Dieser bestand aus einer Flasche Rum und mehreren Bieren, sowie einer CD der Band und ein süsses Maskottchen, welches Musik spielt und sicher ein Plätzchen im Landy findet. Entsprechend wurde es ein feuchtfröhlicher Abend, den wir sehr genossen. 

Die Musik hat uns verführt und wir tanzten bis in die frühen Morgenstunden. Dass wir solch intensive Gefühle und Erlebnisse ausgerechnet in Grossstädten erlebt haben, finde ich wunderschön und zeigt, dass auch hier die Musik und die Lebensfreude ihren Platz hat. Dies werde ich für immer mit diesen Städten in Verbindung bringen.

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