Auf den Spuren von Pachacútec Yupanqui

von 19. November 2017

Wir besuchen Machu Picchu

Wenn man schon mal in Peru ist, muss sicher auch ein Abstecher nach Machu Picchu sein, die meisten Touristen kommen ja nur deshalb hierher. Viele Horrorgeschichten ranken sich um die Ticketverkäufe: Mindestens zwei Monate vorher muss man buchen; Abzockerei; Geht nur mit der teuren Eisenbahn oder zu Fuss…
Nachdem wir die Grenze von Ecuador überquert hatten, begannen wir bereits Informationen zu suchen, zu sichten und zu verifizieren.
Schlussendlich buchten und bezahlten wir dann rund vier Wochen vor dem Termin online die Tickets für den Besuch der Ruinenstätte.

Die Hinreise bis Santa Teresa

Die klassische Art nach Machu Picchu zu reisen besteht darin, sich mit dem Zug bis ca. Kilometer 88 fahren zu lassen und anschliessend während vier Tagen über den berühmten Camino de Inka zu wandern.
Wir sind ja bekanntlich in der glücklichen Lage, mit dem eigenen 4×4 unterwegs zu sein. Daher entschieden wir uns, dass wir so was ähnliches natürlich auch mit dem Landy machen können (hihi). Caro war nach drei Tagen Entspannung auf einem Campingplatz mit warmer Dusche auch wieder für ein paar Passfahrten zu begeistern und daher stand unserem Camino de Rover wirklich nichts mehr im Wege.
Während zwei Tagen führte uns eine traumhafte Piste über 4000 Meter hohe Pässe, hinunter in warme Cañóns, durch kleine Furten und auf Umwege aufgrund von Erdrutschen. Vorbei ging es an Kartoffeln- und Quinoa-Feldern, mitten durch kleine Siedlungen und menschenleere Hochtäler.
Am Abend des ersten Tages fanden wir im Tal des Rio Apurimac einen traumhaften Platz zum Schlafen. Der Cuba Libre war wohlverdient und auch unser Landy bekam einen guten Schluck Getriebeöl. Salud!
Der zweite Tag verging wieder gleich: rauf, runter, holperdipolper…
Während den beiden Tagen schafften wir gerade einmal 197km ungeteerte Piste (ok, 4km waren asphaltiert…); viel schneller (und ausgeruhter) als zu Fuss waren wir dann auch nicht wirklich.
Wenn die Inkas bereits Autos gehabt hätten, sie würden wohl auch diesen Weg gewählt haben für die Reise in die Sommerresidenz.

Santa Teresa bis Aguas Calientes

Santa Teresa lebt davon, dass die günstigste Route nach Machu Picchu über den «Hintereingang» führt. Sicher 100 Tour-Busse pro Tag überwinden die zwanzig Kilometer Rüttelpiste von der Hauptstrasse bis dorthin. Ach waren wir einmal mehr froh um unser super Fahrwerk und ein bisschen Mitleid mit den ahnungslosen Touris in den Bussen hatten wir auch…
Hier übernachten die meisten, um dann frühmorgens Richtung Aguas Calientes aufzubrechen. Das hindert aber die wenigsten der knapp dem Teenie-Alter entsprungenen Reisenden, kräftig die Nacht durch zu bechern und die WC-Anlagen vollzukotzen…

Wir hatten es etwas bequemer geplant, daher verliessen wir den Campground erst gegen elf Uhr und fuhren noch die letzten Kilometer bis nach Hydroelectrica.
Dort besorgten wir uns Zugtickets und fuhren auf der berühmten Strecke durch das Urubambatal. Wer mich kennt, der weiss, dass ich nicht so der ÖV-Fan bin. Aber diese Strecke war wirklich wunderschön. Die Dieselloks pusten lauthals vor jeder Kurve, die Wagons verströmen eine Atmosphäre wie aus einem 40-er Jahre Film und die Weichen werden überall noch von Hand gestellt. Wirklich romantisch – einfach nicht taktfahrplan-tauglich… Aber das ist hier ja auch nicht so wichtig, schliesslich gibt es nur drei Züge pro Tag.
Übrigens: Für die rund 20 zahlenden Gäste gab es geschlagene sechs Zugbegleiter! Und Inka-Popcorn! Die SBB sollten mal über so einen Service nachdenken.

Aguas Calientes oder Machu Picchu Puebla

«Willkommen in einer anderen Welt!» Die Kondukteure haben uns zwar nicht so aus dem Zug verabschiedet aber uns kam es wirklich so vor. Wer unsere letzten Berichte aus Peru gelesen hat, weiss, wie wir das Land erlebt haben. Aber hier in Machu Picchu Puebla, wie es liebevoll von PR-Profis benannt wurde, ist alles anders!
Am Bahnhof und im ganzen Dorf gibt es tausende von ausländischen Touristen. Hunderte von Souvenirshops bieten Andenken feil. Wenn man durch die Strassen läuft, versucht vor jedem Restaurant ein Schreihals sein Special-Deal oder seine Happy-Hour als noch besser anzupreisen. Es gibt von Backpacker-Absteigen ohne Komfort bis zu 5-Sterne Hotels wirklich alles – und dazwischen die berühmt-berüchtigten unverputzten Häuser der Einheimischen. Was für eine skurrile Mischung!
Durch einen Tipp fanden wir am Abend in einer Nebengasse ein wirklich lohnenswertes Restaurant. Das Indio Feliz bietet moderne andine Küche zu einem angemessenen Preis. Das Essen war wirklich lecker und wurde mit französischem Chic präsentiert! Unser persönliches Highlight in Aguas Calientes.

Machu Picchu

Nach einer erholsamen Nacht im Hotelbett standen wir um fünf Uhr früh schon am Buffet und um halb sechs in der Schlange für den Bustransport den Berg hinauf. Da wir Tickets für Wayna Picchu ergattert hatten, entschieden wir uns, den steilen Weg nach Machu Picchu nicht auch noch zu Fuss zu absolvieren – dafür durften wir dann hinter bereits 500 anderen anstehen. (Anscheinend warten die ersten Besucher bereits ab ca. vier Uhr, auch wenn die ersten Buse ab halb sechs fahren…)
Oben angekommen ging’s noch kurz auf die Toilette, da es innerhalb der Anlage keine gibt und man mit dem Ticket nur einmal nach draussen darf. Das wurde sogar seriös kontrolliert: «It’s your last time!» Jawohl, haben wir so verstanden! (Dürfen wir jetzt nie mehr nach Machu Picchu?!?)

Es wurde am Eingang wirklich jedes Ticket mit dem Reisepass verglichen aber das funktionierte erstaunlich schnell und so waren wir schon vor sieben Uhr mittendrin – MITTENDRIN im sagenumwobenen Machu Picchu!
Der erste Anblick war traumhaft: Die Sommerresidenz im Morgentau, dazu noch fast menschenleer.
Schnellen Schrittes durchquerten wir die ganze Ruinenstätte, denn unsere Tickets erlaubten einen Aufstieg auf den Berg Wayna Picchu nur zwischen sieben und acht Uhr. Mit den anderen 198 (pro Tag gibt es nur zwei Mal 200 Tickets) warteten wir vor dem verschlossenen Bambustor. Punkt sieben Uhr durften wir dann den anstrengenden Aufstieg auf uns nehmen. Nach einer guten Stunde Kraxelei über steile Pfade und unebene Steinstufen kamen wir oben an. Der Ausblick ist einfach grandios – zwischen einzelnen Wölkchen liegt einem Machu Picchu zu Füssen!
Sogar da oben gibt es Anbauterrassen – was waren das für arme Säcke, die die behauenen Steine hier rauf schleppen oder hier die Felder beackern mussten – aber man war der Sonne halt noch etwas näher…
Durch schmale Felsdurchbrüche kletterten wir bald schon wieder runter.
Wir schlenderten gemütlich durch das untere Quartier mit seinen weltlichen Bauten wie Lagerstätten und Wohnhäusern und dem Tempel des Kondors.
Nach dem klassischen Touristenlunch durfte natürlich auch ein Besuch der heutigen Bewohner – Llamas und Alpacas – nicht verpasst werden. Sie erfreuen sich eines schönen Daheims und täglich neuen Spielgefährten. Denen geht es wirklich gut hier oben.
Das höher gelegene Barrio (Quartier) ist nobler gestaltet. Hier befinden sich die einzigen berühmten Steinhaufen, bei welchen die Steine in gleich grosse Quader gehauen wurden.
Die Inkas kannten weder das Rad noch eine Schrift. Vielleicht erklärt das ein wenig, warum die Bauten nicht so nobel wirken wie zum Beispiel die griechischen Tempel oder römischen Theater. Die Steine wurden immer nur so weit behauen, dass sie zu den darunterliegenden passen – Caro und ich kamen während des Tages auf den Begriff «professionelles Gebastel». Versteht uns nicht falsch: Machu Picchu ist wunderschön zum anschauen aber die Inkas waren nicht wirklich gute Baumeister!
Die Lehre geht heute davon aus, dass das Inkaoberhaupt Pachacútec Yupanqui die Anlage als «Sommerresidenz» bauen liess. So unfertig Machu Picchu wirkt, muss man davon ausgehen, dass seine Nachfolger nach seinem Tod kein Interesse mehr daran hatten. Vielleicht erklärt das auch ein wenig, warum viele Steine bis heute noch nicht fertig behauen sind und warum die Inkastätte in Vergessenheit geriet.

Über sieben Brücken musst du gehen

Nach einer weiteren erholsamen Nacht im Hotelzimmer genossen wir die Wanderung durchs Urubambatal zurück nach Hydroelectrica. Immer schön dem Bahngleis entlang oder den andern wilden Hikern nach. Vor jeder Brücke noch kurz ein Blick über die Schulter: Kommt wirklich kein Zug? Es kam nur einmal ein Triebwagen daher gedonnert, den haben wir aber offensichtlich überlebt. Gemütlich liefen wir gegen Mittag im Bahnhof von Hydroelectrica ein und begossen unsere glorreiche Expedition zu den berühmtesten unförmigen Steinen der Welt. Juhee!

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