Hommage an den Landy

von | 14. Dezember 2017

It’s a Land Rover, not a f* Jeep!

Seit mehr als 50 Jahren gibt es die grossen Diskussionen zwischen Jeep-, Toyota- und Land Rover-Fahrern: Welches ist das bessere Auto. Wir sind da neutral eingestellt, ok fast neutral… Unsere Overlanding-Geschichte fing in Australien mit einem HJ60 an. Ein Toyota Land Cruiser, irgendwann in den 80er Jahren gebaut. Der hatte allen Schnickschnack, den es dazumal gab: Kopfstützen an den Vordersitzen und eine funktionierende Klimaanlage.  Zurück in der Schweiz kam dann der erste Landrover 110, Baujahr 1987, in die Familie. Der hatte alles, was ein Reisefahrzeug braucht: Schuhschachtelformat für einen praktischeren Ausbau, Flaps unter der Frontscheibe für angenehmen Fahrtwind im Gesicht, ein geschraubtes Dach, so dass der Umbau zum Klappdach viel einfacher geht.
Dann kam der Moment, wo wir uns entschieden, auf die grosse Fahrt soll es etwas moderneres sein. Ein Land Rover Defender, Baujahr 2007. Die Vorzüge blieben die gleichen wie beim 110er aber es gab einen modernen Turbodieselmotor und eine Klimaanlage (wirklich mehr hat sich nicht geändert…).

Mit unserer neuen Black Lady fahren wir jetzt schon x-tausend Kilometer auf diesem Kontinent herum. Sie läuft und läuft und läuft. Nur kleine Macken machten sich bis jetzt bemerkbar: Der Anlasser wollte nicht mehr richtig nach 10 Tagen reisen, das Steuerrad vibrierte etwas stark nach 12’000km Gravelroad. So what? Alles Probleme, die sich mit ganz wenig Aufwand wieder instand stellen liessen.

Aber jedes Mal, wenn wir auf einem Camping oder unterwegs einen Land Cruiser treffen kommt als allererstes die Lieblingsfrage aller Toyo-Fahrer: «Hattet ihr schon viele Probleme mit eurem Auto?» Nein! Alles läuft wie geschmiert, wir sind glücklich mit unserem Land Rover und wir ernten viele «Daumen hoch» von Südamerikanern. Alle Nicht-Toyo-Fahrer lieben einfach dieses urchige Auto.

Und dann gibt es wie erwähnt ja noch den Jeep: Wuchtiger Motor, unverkennbare Kühlerhaube, geiler Sound. Der Willys Jeep war der erste. Jahre vor Land Cruiser und Land Rover. Die Japaner nahmen ihn als Vorbild, das sieht man bis jetzt bei den Fahrzeugbezeichnungen: HJ, BJ, FJ – überall steht das J für Jeep. Und für die Engländer war nach dem 2. Weltkrieg auch klar: Wir brauchen ein Fahrzeug für die Farmer und das Vorbild soll der Willys Jeep sein.
Aber das war es dann auch. Der Land Cruiser hat heute ausser dem J nichts mehr mit dem Jeep gemeinsam und auch der Land Rover ist seither eine eigenständige Ikone.
Wir sind stolz auf unseren Landy, wir wollen keinen Amischlitten.

Und was machen jetzt die Bolivianer? Als wir am Titicacasee über die Grenze fahren ahnen wir noch nichts böses. Die Immigration geht flott voran, das Zollgebäude ist gleich auf der anderen Strassenseite und sollte auch kein Problem darstellen. Fahrzeugausweis, Führerausweis, Versicherungsnachweis, alles ist in Ordnung. Aber dann die grosse Frage des Zöllners: Was ist das denn für eine Fahrzeugart? «Hm, für uns ist das ein «Casa rodante», ein Camper. Hier, oben rechts, das ist die richtige Kategorie.» «Nein, nein, das sieht mir nicht nach einem Camper aus. Das ist doch ein Jeep.» «Nein, nein, unser Auto kommt aus England, nicht aus den USA. Das ist kein Jeep! Hilfe!»

In Tränen aufgelöst wälzten wir uns auf dem Boden, der Landy vor der Tür wieherte lautstark vor sich her (ok, ist jetzt alles etwas symbolisch gemeint). Aber alles Bitten und Betteln half nichts. Das Kreuz war gesetzt, unsere Black Lady war jetzt offiziell ein Jeep!

Als wir wieder einstiegen muffelte unsere Lady etwas rum. Wir dachten uns noch nichts wirklich dabei. Aber mit jedem Tag im Leben als Jeep bockte sie etwas mehr: Das Vibrieren im Lenkrad wurde immer stärker, das Verteilergetriebe markierte ständig sein Revier, der Steinschlag in der Frontscheibe wurde zum Riss. Unser Landy wollte einfach kein Jeep sein, das war uns jetzt klar. Wir kümmerten uns in den letzten Wochen mit aller Liebe um unser Auto: Mehrmals bekam sie einen Aufenthalt im Beautysalon (Autowäsche), die Lenkung wurde überholt, Lebenssaft im Verteilergetriebe wurde nachgefüllt, der Riss in der Scheibe wurde geflickt.
Dem englischen Patienten ging es nie lebensbedrohlich schlecht, einfach ein wenig rumgezickt hat er. Und da sich der Zustand nach all der Hingabe merklich verbessert hatte, wurde das dann auch gefeiert: artgerechte Haltung nennt man das. Kilometerweit über die Salar de Uyuni cruisen, übernachten unter Millionen von Sternen, hunderte von Kilometer nur übelste Wellblechpiste und weicher Sand auf der Langunenroute bis nach Chile. Unserer Black Lady ging es wirklich wieder gut.

Und dann kam der sagenumwobene 10. Dezember 2017. Was für ein denkwürdiges Datum. Die Zollformalitäten in Bolivien hatten wir bereits am Vortag auf 5033m.ü.M. erledigt (der höchste bisher angefahrene Punkt für unseren Landy) und wir waren bereits über der Grenzlinie auf dem Weg nach San Pedro de Atacama. Hier sollte es also soweit sein. Im Zollbüro der Chilenen erfolgte der Formularkrieg – halt wie üblich. Und was sehen meine Augen? Es gibt eine Fahrzeugkategorie «Jeep»! «Que es la marca del auto?» fragt der Beamte. «Landrover!!!» schallt es aus voller Brust. «Hmm, vale. No es un Jeep? (tiefes Luftholen) Listo, es un … Stationwagon.» Yes, wir haben es geschafft!

Der ganze Zickenkrieg zwischen Toyota, Jeep und Land Rover ist wirklich amüsant. Aber wehe du sagst einem Landrover, er sei ein Jeep! Dann ist nicht mehr gut Kirschen essen, dann dampft es richtig übel im Auspuffrohr. In diesem Sinne: «It’s a Land Rover, not a fucking Jeep!»

 

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