Die Bedeutung von Pampa

von | 5. März 2018

Wir wissen jetzt was «Pampa» bedeutet.

Keine Ahnung, wie es Wikipedia beschreiben würde (habe seit Tagen keinen Internet Zugang und kann nicht nachschauen), doch wir verbinden es mit weitem, flachem Land, wo man hunderte von Kilometern mit Tempomat zurücklegen kann, ohne dass es etwas Wesentliches zu beobachten oder eine Kurve zu fahren gibt.

Meine argentinische Freundin Paola hat mir mal erzählt wie es war, als Kind in Urlaub zu fahren. Wie langweilig die Pampa und wie schwierig es für ihre Eltern war, die Kinder während der Autofahrt zu beschäftigen. Jetzt kann ich mir das endlich so richtig vorstellen.

 

Wo sind denn nun all die Kühe?

Das einzige, was Kinder – oder auch gelangweilte Erwachsene – unterhalten kann, sind die Tiere am Strassenrand. Herdenweise sieht man Guanacos (die etwas kräftigeren Verwandten der Vicuñas). Wir nehmen an, dass diese Tiere keinen natürlichen Feind haben und deshalb so zahlreich sind. Den Puma soll es zwar noch geben hier, doch ich nehme mal an, dass er schon halb ausgerottet ist. Gesehen haben wir leider keinen.

Und dann gibt es fast ebenso viele Nandus, welche aussehen wie kleine Strausse oder Emus. Sie tummeln sich gerne an der Strasse herum und rennen dann wie aufgeschreckte Hühner mit gut 40 km/h vor dem Auto her, ihre Federn schwingend wie flatternde Federboas. Die dummen Dinger kriegen jedesmal schier einen Herzinfarkt, bis sie endlich kapieren, dass sie ja auch rechts oder links auf die Seite ausweichen könnten!

Ach und dann die schnuckligen kleinen Gürteltiere (Piche), welche flink und frech kurz vor dem Auto noch schnell die Strasse queren. Einmal lief uns eines direkt zwischen die Räder. Hifi konnte es zum Glück mit einem kleinen Schwenker grad noch retten. Es wurde zwar von uns überrollt, aber nicht überfahren, und hat jetzt vielleicht einen Gehörschaden und den Schock fürs Leben, das arme Ding.

Wenn man etwas Glück hat, kann man an der Küste auch Pinguine und Kormorane beobachten. Wir sahen leider keine… sind wohl grad alle im Urlaub. Dafür besuchten wir eine Kolonie Seelöwen, welche sich träge und faul am Strand wälzten, ohne sich im geringsten um die Menschen zu kümmern. Ausser man kommt ihren Jungen zu nahe… dann mucken sie plötzlich alle auf.

Was uns jedoch etwas gefehlt hat, sind die Kühe und die Pferde. Da soll Argentinien nun das Land der Gauchos und der riesigen Rinderherden sein, welche das ganze Land mit Fleisch beliefern. Doch wo haben sie die versteckt? Die Gauchos, welche wir gesehen haben, ritten nur Pferdestärken…

 

Warm, trocken und wüst – so mögen wir‘s

Trotz der Einöde; mir gefällt die Pampa auch. Dieses leere Land ist so befreiend. Und ab und zu verändert sich die Landschaft plötzlich wieder und man fährt durch eindrückliche Canyons oder sieht Hochplateaus in der Ferne. Eindrücklich waren auch die versteinerten Bäume, welche wir besichtigt haben. Diese sind um die 150 Millionen Jahre alt, und bedeckten diesen Landstrich noch vor der Zeit der Dinosaurier. Teilweise liegen noch ganze Baumstämme mit Durchmessern bis zu drei Metern herum. Wenn man nicht weiss, dass es Stein ist, würde man es nicht sehen, so exakt erhalten sind sie!

Auch das wilde Campen ist hier sehr einfach und geniessen wir sehr. Fast jede Nacht haben wir ein lauschiges Plätzchen ganz für uns alleine gefunden. Zwischen den Hügeln mit Aussicht, an einem schönen Flüsschen, direkt am Atlantik mit Sonnenuntergang oder auch mitten in der Pampa.

Wenn nur der Wind nicht wäre! Die Region Patagonien erstreckt sich sowohl über Argentinien wie auch Chile. Während es in Chile üpig grün, feucht und kalt ist, ist es in Argentinien trocken, staubig und warm. Doch eines haben beide gemeinsam: den Wind! Und der ist zwar sehr unberechenbar und unstet – mal sanft, mal orkanmässig, mal warm oder eisig kalt – jedoch praktisch immer vorhanden, je weiter man südwärts kommt. Besonders in der Pampa kriegt man das dann sehr zu spüren. Da alle Pflanzen so niedrig wachsen, sieht man gar nicht, dass es so windet… bis man die Autotür aufmacht und es einen schier wegbläst! Oder wenn der Wind direkt seitwärts mit voller Wucht ans Auto knallt, dann muss das Steuerrad wirklich festgehalten werden.

Das macht auch die Schlafplatzsuche etwas zur Challenge. Wir haben uns zwar darauf vorbereitet und extra für Patagonien ein Notbett konstruiert, so dass wir auch mit geschlossenem Dach schlafen können. Doch bequem ist das nicht wirklich… wir haben es kürzlich mal ausprobiert und es wurde als die unbequemste Nacht im Landy deklariert. Wiederholung nicht erwünscht. Da suchen wir lieber nach einem windstilleren Plätzchen und lassen uns die Stoffwände des Dachzeltes um die Ohren flattern.

 

Umweg an den Atlantik

Alle diese Eindrücke schildere ich von der Atlantikküste aus. Wer unsere Reise auf der Karte mitverfolgt und sich etwas wundert, warum wir so im Zickzack fahren: Wir haben diesen «kleinen» Abstecher gemacht um Freunde zu treffen, welche unser Boot mit nach Hause nehmen. Nun werden wir wieder zurück ins Landesinnere nach El Chaltén fahren, wo meine Eltern uns für ein paar Tage besuchen kommen. Ich freue mich sehr darauf, sie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Und ich bin gespannt, wie sehr sich Patagonien entlang der Anden von der Atlantikküste unterscheiden wird. Ist es so üpig und kalt wie in Chile, oder trocken und warm wie an der Küste, oder vielleicht ein Mix aus beidem? Wir werden es sehen…

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