Vamos a la selva!

von 31. August 2017

Ab in den Jungel!

Im Amazonasgebiet

Was ist etwa das bekannteste aus Ecuador? Genau; die Galapagos-Inseln. Bekanntermassen sind die aber auch saumässig teuer. Und da wir dieses Geld lieber zum noch etwas länger Reisen brauchen, haben wir uns entschieden, nicht auf die Galapagos zu fliegen. Dafür wollten wir aber in den Jungel und das Amazonasgebiet entdecken.

Auf nach Coca

Also fuhren wir nach Coca und suchten uns einen Touranbieter. Wir entschieden uns für eine fünf Tages Tour mit einem kleinen Familienunternehmen Names Witoto. Eigentlich wollte ich ja lieber nicht mitten im Jungel im Zelt übernachten, da ich nicht wirklich ein Fan vom Zelten bin. Doch ich musste mich entscheiden: entweder mit x andern Touristen in eine Lodge zu gehen, oder eine individuelle Tour ganz für uns alleine. Naja, der Abenteurgeist hat gesiegt und ich liess mich auf das Zelt ein. Und das hat sich auch gelohnt!

Zeitverständnis

Gleich am nächsten Tag ging es los. Wir durften beim Haus der Familie unsern Landy hinstellen und dort übernachten. Für die nächsten fünf Tage hatten sie uns einen Parkplatz bei einem Hotel organisiert, wo das Auto bewacht wurde. Ein super Service! Sie sagten uns, dass wir das Auto um 7 Uhr beim Hotel abstellen sollen, um dann um 8 Uhr im Büro am Hafen zu sein (1.1 km entfernt), um dann um 9 Uhr abzufahren. Das erschien uns alles etwas mit viel Zeitreserve berechnet und wir entschieden uns, erst um 7.30 Uhr abzufahren, da dies noch reichlich reichte. Überraschenderweise wurden wir dann am Morgen um 7.15 Uhr zu der Familie zum Frühstück gebeten, wodurch wir natürlich auch erst um 7.45 abfahren konnten. Schlussendlich waren wir um 8.15 bei ihnen im Büro und mussten noch auf sie warten, da sie mit dem Boot vom Haus zum Büro länger hatten als wir mit dem Auto. Die Zeit bis zur Abfahrt um 9 Uhr wurde dann mit Warten verbracht, bzw. fühlte sich die Tochter verpflichtet, uns etwas zu unterhalten und uns eine Führung über den Markt zu geben. So viel zur Südamerikanischen Zeitberechnung. 😄 Aber oh Wunder, um Punkt 9 Uhr sassen wir im Boot und fuhren los!

Betreuung vom Feinsten

Unsere Guides: Señor Enrice, ein 60-jähriger Ecuadorianer vom Stamm der Kichwa (»Kitschua» ausgesprochen), der selbst im Jungel aufgewachsen und so etwas wie ein Schamane ist. Und seine Frau, Señora Carola, 54-jährig, ebenfalls im Jungel aufgewachsen, Medizinfrau und Köchin. Was kann man sich besseres wünschen als von zwei so erfahrenen Leuten durch ihre Heimat geführt zu werden?!

Die Reise beginnt

Den ersten Tag verbrachten wir damit, mit dem Boot auf dem grossen Rio Napo Richtung Peruanische Grenze zu fahren. Wir genossen die Fahrt und das Nichtstun und beobachteten dabei den Verkehr auf dem Fluss und die Umgebung. Es hat hier viele Ölbohrfirmen und dadurch auch viel Verkehr auf dem Wasser. Eindrücklich waren die Lastwagentransporte, die überall den Fluss queren und die Schnellboote, welche an uns vorbei flitzten.
Kurz vor der Grenze, bogen wir dann in einen Seitenfluss ab, den Rio Yasuni und erreichten nach ca. 9 Stunden Fahrt eine Lagune, wo wir direkt in den Sonnenuntergang fuhren. Das war eine herrliche Ankunft, mit den Vögeln die übers Wasser flogen und den letzten Sonnenstrahlen, die aus den Bäumen schwarze Silhouetten machten. In dem Moment war ich total entspannt und einfach nur glücklich.
Nach etwas Suchen im Dunkeln, fanden wir dann auch den Eingang zu dem Platz, wo wir unser Zelt für die nächsten drei Nächte aufschlugen. Tatsächlich mitten im Jungel. Enrice und Carola schliefen auf dem Kanu.

Auf dem Wasser

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir im Yasuni Nationalpark. Am ersten Tag tuckelten wir mit dem Kanu über die Lagune und beobachteten Vögel und Schildkröten. Auf dem Rio Yasuni warteten wir geduldig auf die berühmten rosaroten Delphine und wurden irgendwann auch belohnt. Offenbar gibt es vier Sorten; rosarote, schwarze, weisse und graue. Laut Enrice und Carola sahen wir alle Sorten. Für uns war das eher schwierig zu erkennen; Wir waren schon happy, überhaupt welche zu sehen.

Überleben im Jungel

Am zweiten Tag führte uns Enrice dann in den Jungel. Hier nennen sie das die «Selva». Wir wanderten etwa fünf Stunden quer durch den Wald, immer mit dem Macheten schwingenden Enrice voraus. Er erklärte uns, dass es wichtig sei, Wegmarkierungen zu machen, damit man wieder zurück findet. Das macht er, indem er beim vorbeigehen immer mal wieder kleine Pflanzen und Zweige in Laufrichtung umknickt. Oder er macht ein kleines Zeichen in die Baumrinde von Bäumen. Wir haben versucht, den Weg beim zurückgehen anhand dieser Zeichen wieder zu finden – keine Chance. Als Fremder verläufst du dich hier einfach gnadenlos! Da der Himmel und alles rundherum mit Bäumen und Pflanzen verdeckt ist, hat man überhaupt keine Orientierungspunkte. Man kann zehn Meter neben dem Fluss stehen und sieht und hört ihn nicht, da er so ruhig ist. Also eines habe ich gelernt: gehe nie, nie, nie alleine in den Jungel!!!
Auch sonst war es sehr spannend. Enrice hat uns vieles erklärt über Heilpflanzen, wie man Vögel ruft oder sich vor einer Schlange versteckt, indem man sich mit Lianen umwickelt. Leider wollten sich die Tiere nicht so recht zeigen. Wir sahen nur einen Affen und leider keine Schlange. Aber einen Tucan haben wir gesehen, nachdem ihn Enrice mit pfeifen angelockt hat. Und viele Papageien sind im Flug über uns hinweg gesegelt, meistens in Paaren und immer am krächzen im Flug.

Jagt auf Kaimane

In der Nacht gingen wir in der Lagune auf die Jagt nach Kaimanen (Krokodilen). Natürlich nur vom Boot aus zum Beobachten. Mit der Taschenlampe hat Carola übers Wasser geleuchtet und wenn man zwei leine Pünktchen aufleuchten sah, fuhren wir darauf zu. Meistens liegen die Kaimane im Wasser dicht an der Oberfläche und nur der Kopf schaut raus. Und kaum nähert man sich ihnen mit dem Boot, verschwinden sie unter Wasser. Einen jungen Kaiman konnten wir von ganz nah betrachten, weil er am Ufer lag und sich nicht fortbewegte. War ihm wohl zu anstrengend.

In guter Gesellschaft

Es waren herrlich entspannte Tage auf dem Boot. Carola und Enrice sind wunderbare, lustige und sehr liebenswerte Menschen. Wir verstanden uns total gut und haben viel zusammen gelacht. Carola hat uns auch viel über die Lebenssituation und die Probleme der Leute hier erzählt. Sie kennt sich sehr gut in der Gegend aus, weil ihr Vater ein wichtiger Schamane war und sie viel mit ihm rumgereist ist. Auch heute setzten sich die beiden sehr für die Leute und die Kommunen hier ein. Sie kennen und lieben ihr Land und ihre Leute.
Zudem hat uns Carola wunderbar bekocht. Einmal haben wir sogar selbst Pirañas gefischt und Carola hat sie danach für uns zubereitet. War sehr lecker, auch wenn nicht allzu viel Fleisch an dem Fisch ist.

Niedriger Wasserstand

Die letzten beiden Tage verbrachten wir dann wieder mit der Rückfahrt. Am zweitletzten Tag fuhren wir nochmals in einen Seitenfluss, den Paña Cocha. Die Fahrt dorthin war sehr spektakulär, denn der Wasserstand ist im Moment extrem niedrig und daher schauen überall viele Stämme und Äste aus dem Wasser raus. Wir mussten ganz konzentriert ins Wasser schauen und vom Bug aus Weisungen an Enrice geben, wo er durchfahren kann und wo nicht. Oftmals musste er den Motor hochheben, um besonders niedrige Stellen zu überfahren, ohne den Motor zu beschädigen. Phuu, wir waren alle froh, als wir endlich am Platz für die Übernachtung ankamen: wieder mitten im Jungel – Enrice musste zuerst mit der Machete einen Zugang frei hacken. Was der noch alles macht mit seinen 60 Jahren. Unglaublich fit, der Mann!

Zurück nach Coca

Am letzten Tag ging’s dann wieder über den Rio Napo zurück nach Coca, wo wir glücklich, zufrieden und um viele Erlebnisse reicher ankamen. Und nicht zuletzt konnten wir unser Spanisch ganz schön verbessern. Zumindest das Verstehen – mit dem Sprechen habe ich immer noch so meine Mühen. Aber die beiden haben uns so vieles erzählt und erklärt, und natürlich alles auf Spanisch (oder auf Kichua, ihrer Sprache), dass wir langsam wirklich immer mehr verstehen. Wie gesagt, die Tour hat sich wirklich gelohnt und war ein wunderbares, authentisches Erlebnis. Muchas Gracias a Enrice y Carola!

Wer auch eine solche Tour machen will, findet Informationen auf ihrer Website: www.witototour.net oder direkt in Coca im Office gleich beim Malecon, am Ende der Strasse Amazonas (oder im iOverlander App).