Pleiten, Pech und Pannen
Ein Unglück kommt selten alleine.
Also wirklich; erst zwei Wochen unterwegs und schon so einiges Pech gehabt! Die korrupten Polizisten, Grippe und zerstochene Beine in den ersten Reisetagen (siehe vorheriger Bericht und Fotos).
Und jetzt lässt uns unsere Lady schon im Stich!
Mitten in der Wüste der Peninsula „La Guajira“ fängt der Motor an zu stocken und zu ruckeln und stellt irgendwann ganz ab. Na toll, wahrscheinlich hätten wir doch nicht von dem geschmuggelten Diesel tanken sollen. (Aber der Tank war einfach leer und weit und breit keine Tankstelle!) Hifi ruckelt mal ein bisschen am Dieselfilter rum, weil ihm das Problem bekannt vorkommt von zuhause, seit der neue Filter drin ist. Zuerst hilft das, aber nicht lange. Wir diskutieren schon darüber, ob wir nun die ganze Tankladung Diesel hier in der Natur ablassen müssen, um den sauberen aus dem dritten Zusatztank rüber zu pumpen. So ein Sch…!
Hifi versucht es nochmals mit dem Filter, und siehe da, jetzt gehts wieder. Von nun an kommt das Problem einfach immer mal wieder und ist sehr nervig. Zum Glück hat Hifi noch einen Ersatz dabei. Doch dass wir den schon zu Beginn der Reise wechseln müssen, war nicht die Idee.
Rettungsaktion in der Wüste
Schlussendlich waren es dann aber wir, die Hilfe leisten konnten. Auf einem sehr sandigen Stück Weg trafen wir auf ein Auto mit Einheimischen die feststeckten. Sie hatten kein 4×4 und total abgenutzte Reifen ohne Profil. Die Insassen – zwei alte Frauen, ein alter Herr und ein Junger – wussten sich nicht wirklich zu helfen.
Wir versuchten es dann zuerst mal mit unseren Sandblechen. Jetzt kamen die wenigstens mal zum Einsatz. Das war schweisstreibende Arbeit unter der Wüstensonne: Sand buddeln, Blech unter die Räder legen, vor dem Auto möglichst viele Zweige und Äste hinlegen und Auto starten. Das brachte es immer ein paar Meter weiter, bis es gleich wieder einsank.
Irgendwann hatte Hifi die Nase voll und er schlug vor, mit unserem Landy das andere Auto raus zu stossen. Da es eine alte Karre war, waren die zusätzlichen Kratzer kein Thema und der Fahrer willigte ein. Und siehe da, das funktionierte wunderbar. Wirklich schade, dass ich in der Hektik vergass, Fotos zu machen. Das hat spektakulär ausgesehen!
Offenbar ist es unser Schicksal, in der Wüste Autos zu bergen. Das gleiche war uns schon in Australien passiert. Im Gegensatz zu damals, als die Aboriginies einfach ohne Dank davon fuhren, waren die Kolumbier jedoch sehr dankbar und meinten, wir seien ein Geschenk vom Himmel! So süss!
Zum Glück verlief der Rest der Reise in Guajira dann reibungslos. Zumindest was das Auto betrifft. Leider mussten wir feststellen, dass bei unserer neu gekauften Digitalkamera plötzlich das Display kaputt war. Das Glas ist ganz, aber die LEDs spinnen und zeigen nichts mehr an. Also wirklich; muss das sein?! Fotografieren geht zwar noch, aber ohne Display ist es etwas mühsam. Und da wir ja unterwegs sind, wird das mit dem Einsenden zur Reparatur und wieder zurück bekommen auch etwas schwierig…
Es geht weiter…
Wir verlassen die Karibikküste nun und fahren ins Landesinnere. Die Landschaft wird grün und hügelig. Ausser dem mühsamen Dieselfilter, der immer mal wieder spuckt, läuft alles tiptop. Meinen wir jedenfalls. Bis eines morgens auf einem lauschigen Camping der Motor einfach nicht mehr anspringt. Er tut keinen Wank, versucht nicht mal zu starten. Als wir die Kühlerhaube öffnen, ist der Motorraum mit Öl verspritzt und fast keines mehr im Tank drin. Na super, irgendwo ist was undicht! Der Besitzer des Campings kommt und versucht zu helfen. Nach vielem Suchen und Telefonaten, unter anderem in die Schweiz zu unserer Mechanikerin Anna, steht die Diagnose fest: Die Unterdruckpumpe ist undicht und wahrscheinlich ist der Anlasser ebenfalls kaputt.
Über die Unterdruckpumpe hatten wir am Abend noch mit einem anderen Schweizer Paar (ebenfalls in einem Landy unterwegs), gesprochen: Dass wir zur Sicherheit eine Neue dabei haben, aber hoffen, dass wir sie nie brauchen werden…!
Schlussendlich war diese Pumpe dann das kleinere Problem. Hifi konnte sie aus-, und die Neue wieder einbauen. Aber der Anlasser war etwas ganz anderes. Wie zum Teufel kommt man an den ran, um ihn auszubauen?! Hifi versuchte es stundenlang; von oben ging es genauso wenig wie von unten. Anna wusste leider auch keinen Rat, da sie noch nie einen ausbauen musste bei einem TD4. Na klar, aber unser muss es jetzt natürlich sein! Zudem hatten wir keine Ahnung, ob und wo wir den dann reparieren oder erneuern lassen könnten. Wir waren mitten in den Bergen im Nirgendwo! Ich war schon ziemlich am Ende mit meinen Nerven. Hifi’s sind zum Glück etwas stärker, doch auch er fing langsam an zu verzweifeln.
Jetzt hatten wir drei Jahre lang praktisch keine Probleme mit diesem Auto. Es lief einfach und wir waren total happy. Einen Vollservice haben wir vor der Reise auch noch gemacht. Und kaum sind wir am Reisen und mitten in der Pampa, fangen die Probleme an und wir stehen still!
Glück im Unglück
Ich ging dann nochmals zum Besitzer und fragte ihn, ob er jemanden kenne oder wisse, wo die nächste Werkstatt sei. Da winkte er jemandem und meinte nur so, dieser könne Englisch und uns besser helfen. Nun kommt da ein sehr kultiviert aussehender, älterer Herr daher, spricht uns in fliessendem Englisch an und sagt uns, dass er helfen könne. Er habe vier Jahre lang Anlasser geflickt, das sei sein Job gewesen, und er könne uns den hier schon flicken. Wir müssten ihn nur noch ausbauen.
Wahnsinn! Da bist du mitten in der Pampa und es kommt ausgerechnet ein Spezialist für genau dieses Teil daher. Das gibt’s ja gar nicht! So ein Glück.
Mit neuem Elan machte sich Hifi wieder ans ausbauen, was er dann nach mehreren Stunden auch endlich schaffte. Mittlerweile war es dunkel, aber die beiden Männer machten sich dann gemeinsam ans flicken und putzen des Anlassers. Schlussendlich war aber doch das eine Stück nicht reparierbar. Und so bot unser Helfer in Not – Señor Marco – an, Hifi am nächsten Morgen in die Stadt nach Bucaramanga zu fahren und ein Ersatzteil zu suchen (das ist eine Fahrt von über einer Stunde!). Er wolle ihm dabei helfen, damit er nicht über den Tisch gezogen werde. So nett, wirklich!
Schlussendlich fanden sie die Ersatzteile, konnten alles auswechseln lassen und der Anlasser ging wieder. Am Ende kostete der ganze Spass, inklusive Rückfahrt mit dem Bus, umgerechnet läppische 19.– CHF! Unglaublich. Und unser Helfer wollte nicht mal etwas für seine grosszügige Hilfe. Wir schenkten ihm zum Dank dann ein Schweizer Taschenmesser. 😁
Eingebaut war der Anlasser dann etwa innert einer Stunde. Der Sound des startenden Motors war wie Musik in unseren Ohren! Oh was habe ich für einen guten Mann an meiner Seite: den Besten! Danke Hifi für deine Ruhe, deine starken Nerven und all deine technischen Fähigkeiten!
Rückblickend betrachtet, war es gar keine so schlimme Sache und wir kamen sowohl zeitlich wie auch finanziell sehr gut weg. Aber im Moment, wenn man mittendrin steckt und nicht weiss, wie es weitergehen soll, ist es schon eine sehr unangenehme Situation. Auf diese Art Abenteuer könnte ich gut verzichten. Vor allem schon zu Beginn der Reise. Ich hoffe, dass wir unsere Portion Pech nun hinter uns haben! Oder zumindest für lange Zeit.