An der Karibikküste nach Norden

von 8. Juli 2017

Bienvenido en Colombia!

Korrupte Polizisten

Voller Tatendrang und Neugierde auf dieses Land, sind wir mit unserem Landy losgezogen Richtung Norden zum Tayrona Nationalpark. Leider hat uns Kolumbien jedoch als erstes gleich mal seine Schattenseite gezeigt. Im Voraus sei erwähnt, dass die hiesigen Verkehrsregeln und Tempolimiten sehr unklar sind. Jeder überholt jeden links und rechts und es wird gerast, was die Karre hergibt. Die Temposchilder schwanken im 100-Meter-Takt von 60km/h auf 30, zurück auf 80 und wieder auf 30, um dann kilometerlang ganz ohne Angaben zu verbleiben. Wir versuchen uns anzupassen, sind jedoch dennoch öfters mal ein Verkehrshindernis, weil wir es etwas gemütlicher nehmen. Als wir nach einigen Stunden Fahrt von Polizisten angehalten wurden, sagte ich noch so zu Hifi: «Warst du jetzt zu langsam? Haha!» Tja leider erfuhren wir dann sogleich, dass wir zu schnell gewesen seien. Der Polizist meinte, wir müssten ein Bussgeld von rund 500 CHF offiziell bezahlen oder ihm jetzt umgerechnet über 300 CHF in die Hände drücken. Er lief sogar extra auf die Beifahrerseite, so dass er von der Strasse her nicht sichtbar war. Wir waren total perplex und überhaupt nicht auf korrupte Polizisten vorbereitet, denn das waren sie ganz offensichtlich. Wir handelten sein «Feriengeld» dann zwar massiv herunter und behaupteten einfach, dass wir nicht mehr hätten und die EC-Karte heute auch nichts mehr ausspucke. Im Nachhinein haben wir uns jedoch enorm genervt über uns und uns viele Strategien für weitere solche Situationen ausgedacht. Vielmehr als das verlorene Geld – was natürlich auch nervt – ärgerten wir uns über die Situation und dass wir uns übertölpeln liessen. Leider geschah dies am allerersten Tag mit dem Auto unterwegs und wir waren geistig noch nicht wirklich auf eine solche Situation vorbereitet – so etwas kennen wir aus Westeuropa einfach nicht…

Tja, das war nicht gerade das schönste Willkommen und wir brauchten etwas Zeit, um das zu schlucken. Von andern Reisenden erfuhren wir dann, dass sie in Kolumbien keine einzige schlechte Erfahrung mit Polizisten hatten und immer alle mega freundlich waren. Offenbar hatten wir einfach Pech!

Tayrona Nationalpark

Zu allem Übel wurde ich auch noch krank und wir beschlossen, erst mal ein paar Tage auf einem wunderschönen Camping neben dem Tayrona Nationalpark zu verbringen. Dort haben wir in aller Ruhe mal den Landy eingerichtet und ich mich erholt. Ich kann euch sagen, Grippe bei tropischen Temperaturen ist unangenehm. Es ist über 30°C und man hat dennoch Schüttelfrost und weiss nie, ob man nun so schlapp ist wegen der Krankheit oder einfach wegen dem tropischen Klima. Dennoch war es herrlich entspannend.

Ein paar Tage später besuchten wir dann den Tayrona Nationalpark und machten eine 2-Tageswanderung. Die Landschaft ist wirklich sehr schön mit malerischen Buchten und schönen Sandstränden. Das erfrischende Bad nach einer schweisstreibenden Wanderung muss man sich jedoch zuerst erarbeiten. Denn in dem feucht-heissen Klima sind auch schon 2 Stunden wandern ziemlich anstrengend

Armut und Venezuelaner

Nebst der wunderbaren Landschaft gibt es jedoch auch die Schattenseiten der Armut. An manchen Orten fuhren wir an ärmsten Behausungen und Slums vorbei. Die Leute leben in Barracken, welche sie in sumpfigen Gebieten und auf halben Müllhalden errichten. Ein Lehrer in der Schule erzählte uns, dass viele Flüchtlinge aus Venezuela so wohnen. Die Kinder gehen nicht zur Schule, Hygiene ist unmöglich und entsprechend grasieren Krankheiten. Und leider verschliesst die kolumbianische Regierung die Augen davor und behauptet, dass dies gar nicht existiere… Doch wir haben es gesehen! Wir konnten uns das gar nicht vorstellen, bis wir daran vorbei fuhren.

Die Nachrichten in der Schweiz berichten von Opositionellen, welche das Regierungsgebäude stürmen. Je weiter wir in den Norden von Kolumbien fahren, bekommen wir die Auswirkungen der Misswirtschaft der letzten Jahre im Nachbarland Venezuela immer deutlicher zu spüren und zu sehen. Die Menschen dort haben nichts mehr und versuchen verzweifelt in Kolumbien zu Geld oder Arbeit zu kommen. Hier bekommt man überall geschmuggeltes Benzin und Diesel zu billigsten Preisen, welches in Venezuela irgendwie erbeutet wurde. Die Leute schmuggeln den Treibstoff mit Autos, Motorräder und Velos, abgefüllt in Pet-Flaschen, und verkaufen ihn an Kolumbianer, welchen ihn am Strassenrand feilbieten. Es ist schon fast offiziell und alle tanken so, sogar Reisebusse und – es würde mich nicht wundern – wohl auch die Polizei.
Hier im Norden sieht man öfters Autos mit venezuelanischen Nummernschildern, welche bis übers Dach beladen sind mit allerlei Waren, welche wohl zu Geld gemacht werden sollen. Venezuelanische Gastarbeiter arbeiten hier auf dem Bau für 25’000 COP (ca. 7.– CHF) und nehmen so den Kolumbianern die Arbeit weg. Ein kolumbianischer Handlanger arbeitet ja auch schon für einen Hungerslohn –  30’000 COP pro Tag! Das tönt nach nicht viel mehr, bedeutet aber für die Investoren einen Minderaufwand von 20 Prozent und Arbeiter, welche nicht aufmucksen, da sie ja illegal im Land schaffen.
Wir haben eine Gruppe Männer aus Venezuela kennen gelernt (Papi der alte, Pajass der die andern lieber arbeiten lässt, Teletuby der etwas ungelenke  und der Jüngste, welcher noch seine Hörner abstreifen muss), die uns ein bisschen erzählt haben wie schlecht es ihnen zuhause geht und die mit allen Mitteln versuchen, ihre Familien zu ernähren. Alles sehr lustige und freundliche Leute aber wirklich bemitleidenswert. Montag bis Freitag arbeiten Sie in Kolumbien, am Wochenende besuchen sie die Familie auf der anderen Seite der Grenze und bringen ihnen Dinge des täglichen Bedarfs heim, die sie in Venezuela nicht mehr bekommen. Sie wollten uns in ihr Land einladen – wir lehnten dankend ab. Zur Zeit ist das eher keine gute Idee als Reisende mit einem modernen europäischen Geländewagen. Aber Danke dennoch für die lieb gemeinte Einladung!