Nach hause kommen

von | 12. Januar 2019

Wir sind wieder zuhause 

Nach 18 Monaten unterwegs, sind wir am 4. Dezember in Zürich Flughafen gelandet. Gerade richtig für den Weihnachtsrummel. Doch ich fand, wenn man denn schon im Winter heimkehrt, dann ist es vor Weihnachten eigentlich noch ganz schön. Denn man hat viele Gelegenheiten, um die ganze Familie und auch gleich viele Freunde zu treffen. Zudem gefällt mir die Stimmung mit all den Lichtern und Kerzen und dem Guezli backen.

 

Habt ihr euch schon eingelebt?

Das werden wir sehr häufig gefragt. Doch das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn einerseits hatten wir das Gefühl, dass sich gar nicht so vieles verändert hat. Nur die Kinder sind deutlich grösser geworden und von Babies zu Kleinkindern und Persönchen herangewachsen. Auch hatten wir das Glück, gleich wieder in unsere Wohnung einziehen zu können, welche wir möbliert vermietet hatten. Unser Untermieter, Hifi’s Vater, war zudem so selten zuhause gewesen, dass fast nichts gebraucht war und alles den Eindruck vermittelte, wir wären nur ein paar Wochen in Urlaub gewesen. Das alles gab uns das Gefühl, praktisch nie weg gewesen zu sein und somit auch nahtlos einfach wieder einsteigen zu können in den Alltag.

Doch es sind manchmal die subtilen kleinen Dinge, bei welchen ich dann merke, dass ich doch noch nicht ganz angekommen bin. Angefangen dabei, dass ich mich immer noch dabei ertape, wie ich auf dem Klo den Abfalleimer für das WC-Papier suche – in Südamerika schmeisst man das Papier nie ins Klo – und mich erst dann erinnere, dass ich ja jetzt wieder den Luxus von Kläranlagen habe. Oder manchmal irritiert es mich immer noch, dass überall Schweizerdeutsch gesprochen wird. Ich vermisse das Spanisch sprechen, oder auch das Switchen von Englisch zu Spanisch zu Französisch zu Deutsch, je nach dem, mit wem man gerade am Diskutieren ist. Das hat halt schon Spass gemacht, so viele Sprachen zu benutzen.

Was mir am allermeisten fehlt, ist ein Ritual, das wir auf der Reise hatten. Jeden Abend, besonders nach einem Reisetag am neuen Übernachtungsplatz, nahmen wir als erstes die Campingstühle raus, tranken ein Bier oder einen Cuba Libre und genossen einfach die Umgebung um uns herum. Wir nannten dies «Bier o’clock» (abgeleitet vom 4 o’clock tea der Briten). Diese Bezeichnung übernahmen wir von Reisefreunden – Ueli und Myrta – mit welchen wir immer um vier Uhr einen Lagerplatz suchten und zusammen sassen. Wir für uns schafften es nicht immer schon um vier Uhr, aber genossen haben wir es trotzdem jeden Abend.

 

Ferienmodus mit Tücken

Zur Zeit haben wir beide noch keinen Job. Wir werden erst mal etwas suchen und uns bewerben müssen. Dadurch befinden wir uns momentan auch in einer Art Ferienmodus. Wir haben zwar diverse Dinge zu erledigen, welche ein Heimkommen mit sich bringen. Doch so wirklich einen geregelten Alltag halben wir noch nicht. Das ist zwar schön, aber eben auch ungewohnt auf Dauer.

Vielleicht hat es mit dieser ungewohnten Situation zu tun, oder damit, dass vor allem Hifi gerne noch weiter am reisen wäre. Jedenfalls waren wir beide plötzlich sehr gereizt und zickten uns gegenseitig immer mehr an. Das war irgendwie schon eine schockierende Erfahrung. Da lebten wir nun über 560 Tage lang auf engstem Raum zusammen. Waren nie länger als 3–4 Stunden voneinander getrennt. Haben die verschiedensten – mitunter auch sehr stressigen und belastenden – Situationen zusammen gemeistert. Alles ohne Probleme. Und dann kommst du nach Hause und hast plötzlich das Gefühl, dass deine Beziehung auseinander fällt! Echt, das hat mich richtig geschockt und war sehr schmerzhaft. Doch wir können euch beruhigen; wir haben die Kurve gekriegt, uns ausgesprochen und nun ziehen wir wieder an einem Strick.

Aber genau das ist es mitunter, was ein Heimkommen schwieriger macht, als gedacht. Der Kopf weiss, dass wir wieder da sind. Doch das Herz ist öfters noch unterwegs in Südamerika.

 

«Entschuldige, dass wir nie kommentiert haben.»

Man wird zum Geschichtenerzähler nach so einer Reise. Alle haben Fragen. Mal konkreter zu etwas, mal einfach generell. Es ist spannend, was die Leute interessiert. Und wir erzählen gerne. Auch immer wieder von neuem, denn wir haben ja mehr als genug Geschichten auf Lager. 😄

Viele Leute haben sich bei uns entschuldigt dafür, nie einen Kommentar auf unserer Website geschrieben oder nicht regelmässig alle Berichte gelesen zu haben. Aber das macht doch nichts! Ich weiss ja, dass zuhause das Leben weiter läuft und man nicht immer Zeit zum Blog lesen findet. Im Gegenteil: Liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle möchte ich mich bei euch bedanken dafür, dass ihr überhaupt ab und zu unsere Berichte gelesen habt! Unser Ziel war immer, einen Blog zu unterhalten, der uns Spass macht. Ich wollte Geschichten erzählen und nicht unsere Reise rapportieren. Und wenn auch euch unsere Geschichten gefallen haben, dann habe ich mein Ziel ja erreicht.

Zudem bekamen wir mehr Rückmeldungen als erwartet. Ganz besonders hat es uns immer gefreut, wenn wir sogar Kommentare oder Fragen von Lesenden bekamen, welche wir persönlich gar nicht kannten. Wenn dadurch sogar neue Bekanntschaften entstehen, dann ist das einfach unglaublich schön. 

Zudem bemerken wir nun, wie viele Leute offenbar doch unseren Blog mitverfolgt haben. Einige sehr regelmässig, andere nur sporadisch. Doch an gewissen Bemerkungen und Fragestellungen merken wir dann sehr schnell, dass jemand einen Bericht gelesen hat. Das überrascht und freut uns sehr.

 

Und wie geht es der Black Lady?

Jaja, unsere liebe Lady ist mittlerweile auch wieder zuhause und steht bei uns in der Werkstatt. Ihre Heimfahrt war ja nun wirklich nicht einfach und hat uns viele Nerven und am Schluss eine Stange Geld gekostet. 

Nachdem sie in Lima endlich im Container und auf dem Schiff nach Hause war (Siehe Bericht «Unsere Lady lernt fliegen») waren wir sehr erleichtert und rechneten eigentlich damit, erst wieder über ihre Ankunft in Basel informiert zu werden. Doch wenn einmal der Wurm drin ist… Jedenfalls waren wir noch in Kuba, als uns die Transportfirma neue schlechte Nachrichten überbrachte. Zum einen wollte nach Lima nun auch der Zoll in Rotterdam unser Auto inspizieren. War ja klar, bei einer Fracht die aus Peru kommt…! Wir haben dann doch ein bisschen gebibbert, denn wir waren ja nicht mehr dabei, als sie ihn in Lima nochmals geöffnet hatten. Also so von wegen Schmuggelware und so…! 

Zum andern wurden wir informiert, dass der Rhein zu wenig Wasser führe und es daher unsicher sei, ob unsere Lady per Schiff bis Basel gebracht werden kann. Alternativen gab es aber leider nur wenige, da das Auto ja nicht fahrtüchtig war. Ein Autotransport stellte sich dann als noch teurer heraus, als den Kleinwasserzuschlag des Rheins zu bezahlen. Naja, schlussendlich fand die Lady doch noch ein Plätzchen auf einem Schiff nach Basel, von wo wir sie dann mit dem Landy eines Freundes und einem Anhänger nach hause holen konnten. Nur die Rechnung haute uns dann etwas aus den Socken: Zusätzlich zu den vereinbarten Transportkosten, kamen die beiden Zollinspektionen in Lima (300.–) und Rotterdam (500.–). Dann zusätzliche Lager- und Mietgebühren für den Container selbst, weil es durch die Zollinspektion Verzögerungen gab. Und eben noch den Rheinzuschlag von über 800.–. Aber immerhin gab uns die Transportfirma ITS einen «Stressrabratt» für den ganzen Ärger in Peru, was ja auch nicht selbstverständlich ist.

 

Die Lady hält uns zum Narren

Zuhause angekommen, wurde zuerst mal alles ausgeräumt und geputzt. Was nicht wenig Arbeit ist nach so einer langen Reise. Danach hat sich Hifi mal daran gemacht, dem Problem am Motor auf den Grund zu gehen. Es dauerte nicht lange. Er schraubte nur den Ventildeckel über dem Motor weg und fand den Übeltäter: einen verrutschten Kipphebel. Autsch, das war ärgerlich! Es wäre also doch relativ einfach gewesen, den Fehler zu finden und zu reparieren und wir hätten unsere Reise doch noch mit dem Landy fortsetzen können…!

Aber es nützt ja nichts, sich jetzt zu ärgern. Freuen wir uns einfach, dass wir nun doch keine allzu grossen Reparaturen haben und das Auto wohl bald wieder läuft. Man ist halt irgendwann an einem Punkt, wo man entscheiden muss, ob man weiter nach Fehlern sucht oder es sein lässt. Und in Cusco hatten wir diesen Punkt erreicht und uns entschieden abzubrechen, da niemand mehr weiter wusste. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Jä nu, schlussendlich sind wir rund 16 Monate ohne grosse Probleme rumgereist und haben es genossen. Wir würden jederzeit wieder so auf Reisen gehen. Und es war ja auch eine schöne Erfahrung, zum Schluss noch etwas ohne Auto unterwegs zu sein. Wir haben auf jeden Fall das beste aus unserer Reise gemacht.

 

Tschüss!

Dies wird vorerst wohl der letzte Bericht von uns sein. Ich werde es schon etwas vermissen, hier meine Gedanken zu Wort zu bringen. Aber jetzt müssen wir uns zuerst mal wieder einleben und neue Jobs finden. Mal schauen, wie lange es diesmal geht, bis wir wieder auf Reisen gehen. Pläne und Träume diesbezüglich haben wir jedenfalls schon genug. Und dann werden wir selbstverständlich wieder davon berichten – sofern es dann jemanden interessiert. 😄

 

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