Ausreise verweigert

von 27. September 2017

Grenzübergang Ecuador-Peru

Aus Ecuador wollten sie uns fast nicht ausreisen lassen. Also uns schon, aber unseren Freund Karlheinz nicht, der ebenfalls mit seinem eigenen Auto als Overlander unterwegs ist und mit uns zusammen nach Peru wollte.

Zuerst brauchten wir unglaubliche vier Stunden für nur ca. 120 km um an die  Ecuadorianisch-Peruanische Grenze zu kommen, weil die Strasse auf ecuadorianischer Seite nur eine Piste war. Für Ecuador sehr ungewohnt, da sonst das ganze Land mit mehrspurigen Superstrassen erschlossen ist. Aber offenbar wollen sie es einem etwas schwer machen, das Land zu verlassen.

Jedenfalls kamen wir somit erst nach dem Mittag an der Grenze an und hätten das Zollhäusschen noch fast übersehen, da es so unscheinbar war. Als erstes mussten wir die Zollpapiere für die Autos abgeben. Das ging keine Minute, da der Zöllner die Papiere einfach entgegennahm und uns weiter winkte.Danach mussten wir die Pässe zeigen und einen Personenschein mit ein paar Angaben ausfüllen. Hifi und ich bekamen den Ausreisestempel und nach 10 Minuten war alles erledigt.

Leider ging dann aber das Theater los. Karlheinz hatte einen falschen Stempel im Pass: Weil er für seinen Hund einen zusätzlichen Stempel im Pass verlangte, hatte er nun statt zwei Einreisestempel nur einen und dazu einen Ausreisestempel. Offenbar war dem Zollbeamten der falsche Stempel für den Hund in die Finger geraten.
Die Zollbeamten hier an der Grenze teilten ihm nun mit, dass sie ihn nicht rauslassen können, weil sie ihm keinen zweiten Ausreisestempel machen dürfen, da er ja bereits einen habe und er offiziell gar nicht im Lande, bzw. bereits wieder ausgereist sei (obwohl er ja leibhaftig hier an der südlichen Grenze stand und offensichtlich mit dem Auto das Land durchquert hatte…). Er müsse zurück an den Zoll, wo er eingereist sei (oder eben nicht…), um das annullieren und korrigieren zu lassen. Äh was!?!
Da waren wir schon mal geschockt und diskutierten, ob es denn nicht auch anderswo gehe, damit Karlheinz nicht nochmals das ganze Land durchqueren muss, nur um einen Fehler korrigieren zu lassen, der nicht seiner war. Nein, das gehe nur dort und auch nicht per Telefon oder Internet…!

Dann kam der zweite und absolute irrwitzige Schock: Der Zollbeamte kam daher und meinte, er habe das Auto aber bereits abgestempelt, also als «Ausgereist» erfasst. Das könne er nicht mehr rückgängig machen und daher dürfe das Auto auch nicht mehr im Land bleiben. Das hiess im Klartext also; Karlheinz müsste sein Auto hier an der Grenze lassen, dann zu Fuss quer durchs ganze Land zurück an die Nordgrenze, um dann wieder zurück zu kommen und das Auto zu holen. Das war der Vorschlag der Grenzbeamten! Zur Erinnerung: Wir brauchten nur schon vier Stunden Autofahrt vom letzten Ort hierher und waren mitten in den Bergen im Nirgendwo…

Wir versuchten zu argumentieren, dass er aber ja eigentlich offiziell gar nicht mehr im Lande sei und daher müsste es den Grenzbeamten ja auch egal sein, wenn er nun ausreise. Und ob wir es denn nicht einfach probieren dürften, ob Peru ihn reinlässt. Dann wäre das Problem ja erledigt. Nach drei Stunden warten und verschiedenen Vorschlägen und Argumentationen meinten sie dann, dass sie ihn rüber lassen würden und er sein Glück versuchen dürfe. Phuu, ein erster Schritt war geschafft!

Jetzt hiess es Daumen drücken für Peru. Wir fuhren also mit unsern Autos über die Brücke rüber nach Peru. Dort kamen zuerst Hifi und ich dran mit der Passkontrolle und hatten wiederum keine Probleme. Wir liessen dann Karlheinz alleine mit dem Grenzwächter im Häuschen zurück und wünschten ihm Glück. Auch bei der Einfuhr unseres Auto lief alles glatt und nach wiederum ca. 10 Minuten waren wir offiziell eingereist. Danach hiess es warten auf Karlheinz. Nach etwa einer halben Stunde kam er dann endlich aus dem Grenzhäusschen und hielt den Daumen hoch; er hatte es geschafft! Mit etwas Überredungskunst konnte er den Grenzbeamten überzeugen, dass ihn dieser einreisen lässt. Juheee!!! Das Auto war dann auch schnell eingelöst und nach etwa vier Stunden an der Grenze, fuhren wir endlich nach Peru rein und nichts wie weg von der Grenze!

Wow! Das war ja brenzlig und hätte schön ins Auge gehen können. Von nun an werden wir alle unsere Stempel in den Pässen gründlich kontrollieren!!!

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