No coração da Brasilia

Im Herzen von Brasilien

Was wäre eine Brasilienrundreise ohne einen Abstecher in den Amazonas? Genau, das haben wir uns auch gesagt. Per Balsa ging’s den Rio Amazonas rauf. Nach der Ankunft in Manaus hat es uns erst einmal aus den Socken gehauen. (Spätestens seit dann tragen auch wir nur noch Havaianas 😉 ) Wir haben zwar mit einer Dschungelstadt gerechnet, aber eine moderne Grossstadt mit mehr als 1.8 Millionen Einwohnern ist halt schon eine andere Hausnummer…
Der Amazonas ist die Lebensader und wenn mir vor der Reise einer gesagt hätte, dass baden in diesem Fluss Spass mache, dann hätte ich ihn ausgelacht. Da gibt’s doch Anakondas, Piranhas, Kaimane, Industriegifte und weiss ich was alles. Aber hey, wer kann schon 30 Grad warmem Wasser widerstehen? Die weissen Sandstrände in und um Manaus, die hohen Temperaturen und die brutale Luftfeuchtigkeit helfen gleich auch noch dazu…
Der Amazonas ist das wasserreichste Flusssystem der Welt. Nördlich von Manaus plätschern viele seiner Zuflüsse mitten durch Primärwald und über hunderte Wasserfälle – einfach traumhaft. Und als wir dann schlussendlich Richtung Süden den Amazonas verliessen, sahen wir mit eigenen Augen, wie viele Quadratkilometer ständig abgerodet werden. Soja und Palmöl lassen grüssen…

Manaus – Dschungelstadt oder Stadtdschungel?

Wir schreiben das Jahr 1890. Der Kautschukboom beflügelt die europäischen Gummibarone, die mitten im Dschungel von Brasilien ein Vermögen erwirtschaften. Das Leben im Amazonas ist trist, es fehlt der Glamour von Paris, die Noblesse von Wien. Wie löst man das Problem? Ganz einfach, man baut ein riesiges Teatro und lässt dafür alles in Europa vorfabrizieren: Stahlstützen, Keramikplatten, einfach alles. Das einzige lokale Material, das dafür verwendet wurde, war das Tropenholz. Das wurde aber nicht etwa vor Ort behauen, sondern ganze Baumstämme wurden nach Westeuropa verschifft, dort nach deutscher Zimmerstradition abgebunden und verziert, um anschliessend wieder per Schiff in den Dschungel spediert zu werden. Die Kautschukbarone haben definitiv über die Schnur gehauen! In der ganzen Stadt findet man heute noch die Paläste der Entrepreneure, die Markthalle (die natürlich von Monsieur Eiffel persönlich konstruiert werden musste), noble Kolonialbauten und einfache Behausungen der indigenen Lokalbevölkerung. Ein kolonialhistorischer Rundgang, abgerundet durch unseren Besuch im Kautschukmusseum.

 

Wasserfälle und Dschungelwasser

In der Region um die Kleinstadt Presidente Figueiredo fliessen duzende von Flüssen über mehr als 600 dieser Cachoeiras (Wasserfälle) herunter, bevor sie schlussendlich in den Amazonas münden. Hier hat man noch die Möglichkeit den Ur-Wald zu sehen und zu realisieren, wie es früher auch mal um Manaus herum ausgesehen haben muss…
Der Tourismus ist auch hier ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Überall sieht man Balnearios (Badeanstalten) und Hotelanlagen. Die richtig coolen Lodges erreicht man aber nicht per Auto. Das geht nur über eine lange Bootsfahrt oder per Helikopter.

Die legendäre BR319

Nach Manaus kommt man fast nur per Flussfahrt oder Flieger. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Die Strasse gen Norden über Boa Vista nach Venezuela und Guayana, sowie während der Trockenzeit (und nur dann!) die BR319 Richtung Süden gegen Porto Velho zu. Der Traum für viele offroad-affine Overlander, für manch einen wurde die Schlammschlacht dann aber auch zum Albtraum. Wir haben uns auf  ein Abenteuer eingestellt, alle Tanks gefüllt, den Ölstand kontrolliert, Wasser aufgefüllt und die Lebensmittelvorräte aufgestockt. Und dann? Die Regenzeit ist seit ca. zwei Monaten vorbei, es hat mehr als eine ganze Woche nie richtig geregnet und die Piste liegt somit staubtrocken vor uns… In sagenhaften 55 Stunden sind wir von Manaus bis nach Porto Velho gecruised. Wohlgemerkt mit vielen Pausen, langen Nächten und kurzen Fahrtagen. Keine Pfütze, keine defekte Brücke, kein Mahagonistamm, der den Weg versperrt hätte. Nur Staub, Personenwagen und ein paar LKW und Reisebusse.
Nächstes Mal fahren wir zur Regenzeit…

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